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Saskia Prehn: Überraschungs-Siegerin beim Lübeck-Marathon

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich persönlich würde ja im Traum nicht darauf kommen, einen Marathon mitzulaufen. Zu anstrengend, zu kurz die Beine, zu groß das Trauma aus dem Schulsportunterricht. Saskia Prehn aus Kücknitz ist da das genaue Gegenteil: Die Lehrerin ist eine absolute Sportskanone, hat in ihrem Leben schon diverse Disziplinen ausprobiert - und wollte eben auch einmal im Leben einen Marathon mitlaufen. Dass sie den direkt gewinnen würde, damit hat sie wohl nicht gerechnet. Aber genau so kam es: Saskia Prehn war die schnellste Frau beim Stadtwerke Lübeck Marathon 2021 und damit eine der Überraschungen des Wettbewerbs. Was sie gedacht hat, als sie tatsächlich als erste Frau durch’s Ziel gelaufen ist, was sie an ihrem Job als Mathe- und Physik-Lehrerin so liebt und warum Sport für sie der perfekte Ausgleich ist, lesen Sie im Interview der Woche.
Auch die Landtagswahlen im kommenden Frühjahr könnten für die ein oder andere Überraschung gut sein. Die Vorboten dafür kommen auch aus Lübeck: Hier schickt die SPD statt der amtierenden Landespolitikerin Kerstin Metzner die Kreisvorsitzende Sophia Schiebe ins Rennen um ein Mandat. Mehr dazu lesen Sie weiter unten im Newsletter. Der Bundestag hat sich, das wurde mit der konstituierenden Sitzung zu Beginn der Woche deutlich, in der neuen Legislatur verjüngt und ist zumindest ein kleines bisschen weiblicher geworden. Wie sich der Landtag in Kiel nach den Wahlen verändern wird - die LN werden in jedem Fall berichten.
Ich wünsche Ihnen ein gemütliches Herbstwochenende (nicht vergessen, am Sonntag ist Zeitumstellung)!
Ihre
Beim Stadtwerke Lübeck Marathon gab es in diesem Jahr eine Überraschungssiegern: Saskia Prehn ist zum ersten Mal überhaupt einen Marathon gelaufen - und hat direkt gewonnen. Im “echten Leben” ist die 34-Jährige aus Kücknitz Lehrerin am Trave-Gymnasium für die Fächer Physik, Mathematik und Informatik, außerdem ist sie Mitglied der erweiterten Schulleitung.
Wie haben Sie für den Marathon trainiert?
Neben meinem Beruf als Lehrerin am Trave-Gymnasium ist Sport meine Freizeitbeschäftigung Nummer eins. Ich habe schon viel ausprobiert: Eigentlich komme ich vom Ballsport, habe schon an einem Triathlon teilgenommen. Früher bin ich auch gesegelt, aber das ging nicht mehr, nachdem ich mir beide Ellbogen gebrochen hatte. So bin ich zum Laufen gekommen. Ich mache fünf- bis sechsmal die Woche Ausdauersport, so dass ich ohnehin schon sehr fit war und gar nicht so bewusst für den Lübeck-Marathon trainiert habe.
Wie lassen sich Training und Vollzeitjob verbinden?
Ich kann beim Sport einfach wunderbar abschalten. Stillsitzen ist überhaupt nichts für mich, ein Buch lesen oder so etwas wäre also wenig entspannend. Deshalb muss ich gar nicht lange überlegen, ob ich nach Feierabend noch Lust habe, mich zu bewegen. Auch bei mir im Büro hängen Sportklamotten, falls ich mal eine Freistunde habe. Außerdem bin ich Frühaufsteherin, das kommt mir zugute. Wenn mein Mann am Wochenende aufsteht, bin ich schon anderthalb Stunden gelaufen oder Rennrad gefahren.
Was ist Ihnen nach Ihrem Sieg durch den Kopf gegangen?
Ich hatte die ganze Zeit über tolle Unterstützung an der Strecke, viele Schüler, Schülerinnen, Kolleginnen und Kollegen haben mich angefeuert und natürlich mein Mann und meine Eltern, die immer wieder mit ihren Rädern aufgetaucht sind. Aber ich habe einen Kilometer vor dem Ziel immer noch nicht geglaubt, dass ich das jetzt wirklich gewinnen werde. Ich dachte die ganze Zeit: “Irgendwann müssen die Schnellen doch mal kommen.” Als ich dann das Zielband in der Hand hatte, konnte ich es gar nicht begreifen. Erst als ich dann meinen Mann und meine Familie gesehen habe und mein Mann Tränen in den Augen hatte, habe ich langsam begriffen, was los ist.
Die zweitplatzierte Läuferin kam vier Minuten nach Ihnen ins Ziel, dazwischen sind noch einige Männer über die Ziellinie gelaufen. Wo und wann waren Sie zuletzt die einzige Frau?
Beim Stadtderby VfB Lübeck gegen Phönix Lübeck war ich im Stadion zumindest gefühlt die einzige Frau zwischen sehr vielen Männern. Ansonsten hatte ich schon immer eher Jungs als Mädchen als Freunde. Und: Ich unterrichte ja Mathe, Physik und Informatik, also stereotyp männliche Fächer. Im Studium waren wir damals nur drei Frauen.
Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen im Sport - und was hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verbessert?
Gerade Fußball ist da ein großes Thema. Ich habe selbst als Kind beim TSV Schlutup gespielt. Weil es keine Mädchen-Mannschaft gab, habe ich eben bei den Jungs mitgespielt und war sogar Torwartin und Kapitänin. Aber als ich zwölf Jahre alt wurde, durfte ich plötzlich nicht mehr mitspielen. Das ist heute zum Glück nicht mehr so, aber Fußballerinnen bekommen auch immer noch nicht dieselbe Aufmerksamkeit und werden nach wie vor deutlich schlechter bezahlt. Beim Biathlon funktioniert es doch auch: Dort werden Frauen und Männer gleich gefeiert und bekommen das gleiche Preisgeld.
Was sollte getan werden, damit Frauen im Sport noch präsenter werden?
Zuerst brauchen wir finanzielle Gleichberechtigung: Viele Profisportlerinnen können nach wie vor nicht davon leben und haben noch einen zweiten Job.
Ein wichtiger Punkt ist auch die Sportberichterstattung: Oft wird über die Wettkämpfe der Männer sehr ausführlich berichtet, und die Frauen sind eine Randnotiz. 
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Seid ihr selbst, tut das, was ihr für richtig erachtet und verbiegt euch für niemanden. Meine Eltern waren ziemlich verzweifelt, als ich sagte, dass ich den Physik-Leistungskurs in der Oberstufe besuchen möchte. Heute fragen sie sich, wieso sie mich jemals von diesem Weg abhalten wollten, weil sie sehen, wie viel Freunde mir der Job bringt, den ich damit letztendlich ergriffen habe. Also: Probleme sind dafür da, gelöst zu werden. 
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration? 
Ich hatte zwar schon immer einen sehr eigenen Kopf, aber meine Mama und meine Großmütter haben mich sehr inspiriert und geprägt. Sie haben mir viel Positives mit auf den Weg gegeben.
Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Beruflich möchte ich mich weiterhin am Trave-Gymnasium mit einbringen und die Schule voranbringen. Ich möchte viele Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Abitur und beim Erwachsenwerden begleiten.
Ich selbst möchte erstmal gesund bleiben. Ich habe ja gesagt, dass ich nur einmal einen Marathon mitlaufen möchte. Aber ich finde, als Titelverteidigerin sollte man schon antreten.
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“Ich will den Finger in die Wunde legen!”, sagt Carolin Kebekus über ihr Buch. Eigentlich klinge es ganz leicht: Frau ist begabt und klug, also kann sie es schaffen, ganz nach oben zu kommen. Aber oft genug sei der eine Platz schon besetzt, es scheine nämlich ein Gesetz zu geben, das lautet: “Eine Frau reicht, mehr brauchen wir nicht.” Die Komikerin, Sängerin, Schauspielerin und Feministin schreibt pointiert, dass die Zeit überreif ist, alte (Männer-)Gesetze über Bord zu werfen.
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 352 Seiten, 18 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Der 20. Deutsche Bundestag hat sich am Dienstag konstituiert, also: gegründet. Da die stärkste Fraktion die Bundestagspräsidentin stellt, musste Wolfgang Schäuble von der CDU das Amt abgeben. Die SPD schlug Bärbel Bas vor - sie wurde als erst dritte Frau in das zweithöchste Staatsamt gewählt.
Katja Bauer
So kann's gehen: Aydan Özugus, Yvonne Magwas, Claudia Roth, Petra Pau und Wolfgang Kubicki werden Stellvertreterinnen von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. (Männer mitgemeint) 😘
Marina Kormbaki
„Ich habe nicht selbst den Finger gehoben, das stimmt, aber ich habe im richtigen Moment Ja gesagt“, so @baerbelbas in ihrer Antrittsrede als Bundestagspräsidentin. Vielleicht trägt ihre Amtsführung ja dazu bei, dass in Zukunft mehr Frauen den Finger heben. #Bundestag https://t.co/WIpROGmdgd
PLAN W
In ihrer ersten Rede als Bundestagspräsidentin spricht Bärbel Bas von einer großen Ehre. Sie sei überzeugt: "Es tut unserem Land gut, wenn die Bürgerinnen und Bürger sehen, im Herzen der Demokratie trägt eine Frau die Verantwortung." https://t.co/He6BvHcpLK
Malte Dürr
Es spricht übrigens durchaus für unser ach so oft kritisiertes politisches System, wenn in diesem Land auch eine Hauptschulabsolventin Bundestagspräsidentin werden kann. Klasse! 👍💪#BaerbelBas
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