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Zwei Transfrauen in den Bundestag gewählt

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Deutschland hat gewählt - und entschieden, dass ein Mann an der Spitze der nächsten Bundesregierung stehen wird. Ob es Wahlsieger Olaf Scholz von der SPD oder CDU-Kandidat Armin Laschet sein wird, müssen die Koalitionsverhandlungen zeigen. Was bereits feststeht: Der Frauenanteil im Parlament steigt leicht von 31 auf knapp 35 Prozent, außerdem sinkt das Durchschnittsalter der Abgeordneten ein bisschen auf 47,5 Jahre - von echter Parität ist der Bundestag damit aber noch ziemlich weit entfernt.
Also alles beim Alten? Nicht ganz: Mit Tessa Ganserer und Nyke Slawik, die neu in die Grünen-Fraktion gewählt wurden, sitzen erstmals zwei Transfrauen im Bundestag. Wie die Kandidatinnen aus den Wahlkreisen im LN-Land abgeschnitten, lesen Sie weiter unten im Newsletter.
Ich hoffe, dass die Koalitionsverhandlungen einigermaßen flott über die Bühne gehen, damit das neu gewählte Parlament bald seine politische Arbeit beginnen und das Land so voranbringen in Sachen Gleichberechtigung, aber auch bei Themen wie der Klimakrise und Digitalisierung, die ebenfalls auf die Tagesordnung drängen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!
Ihre
Interview der Woche

Fridays for Future ist in den vergangenen drei Jahren zu einer globalen Bewegung gewachsen. In Kleinstädten wie Büchen oder Schwarzenbek fehlen aber manchmal noch die Strukturen, um den Protest zu organisieren. Johanna Rickert möchte das ändern: Die 20-Jährige hat neben ihrer Ausbildung zur Erzieherin eine Fridays-for-Future-Ortsgruppe gegründet.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Mir waren Klimathemen und soziale Gerechtigkeit schon immer sehr wichtig. Deshalb war ich schon öfter auf den Demos von Fridays for Future in Hamburg und habe dafür auch Schulunterricht sausen lassen, obwohl mir bewusst war, dass das Konsequenzen haben könnte. Dann habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich auch im Herzogtum Lauenburg zu engagieren. Bei den politischen Parteien habe ich immer den Eindruck, dass es schwer ist, dort reinzukommen. Im politischen Aktivismus ist das einfacher. Die Fridays-for-Future-Ortsgruppen waren bis vor Kurzem inaktiv - also habe ich mich entschlossen, die wieder aufzubauen.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Das war am Sonntag im Wahllokal, da war ich die einzige weibliche Wahlhelferin. Aber ich glaube, das war Zufall. Bei der Gruppe, die uns am Nachmittag abgelöst hat, sah das schon wieder anders aus.
Welche Sprüche können Sie nicht mehr hören, weil Sie voller Klischees sind?
Ich kann alles, was in die Schlagrichtung “Ach, stell’ dich doch nicht so an” geht, nicht mehr hören, wenn es um sexuelle Belästigung geht.
Vor welchen gesellschaftlichen Herausforderungen stehen Frauen heutzutage, dass politischer Aktivismus immer noch notwendig ist?
Neben den großen Schwierigkeiten, vor die uns die Klimakrise stellt, ist Sexismus nach wie vor ein riesiges Problem. Auch wenn jetzt 16 Jahre lang eine Frau Bundeskanzlerin war, sind wir da noch lange nicht am Ziel. Je nach Partei trifft man zum Teil immer noch auf ein veraltetes Rollenbild. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Parteien schon in 2021 angekommen sind.
Ich habe außerdem das Gefühl, dass häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung noch nicht als das Problem wahrgenommen werden, das sie sind. Oft wird die Schuld an solchen Übergriffen immer noch bei den Opfern gesucht. Die Paragrafen 218 und 219a erschweren immer noch sichere Abtreibungen.
Was sollte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung getan werden?
Ich glaube, die Paragrafen 218 und 219a gehören abgeschafft. Und es ist wichtig, nicht zu schweigen, sondern Gegenwind zu geben, wenn eine Frau auf Social Media beleidigt und bedroht wird. Ich finde es auch wichtig, dass Transpersonen in feministische Debatten einbezogen werden.
Der Kampf gegen den Klimawandel muss antirassistisch und feministisch sein. Die Menschen in afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern bekommen die Folgen der Klimakrise zuerst zu spüren und gerade Frauen können vor diesen Bedingungen schlechter fliehen, weil ihnen das Geld fehlt oder sie mit den Kindern nicht so mobil sind.
Welche Frauen sind Ihre Vorbilder, Ihre Inspiration?
Ich bewundere Emma Watson, sie macht wirklich tolle Arbeit. Vor der Friedensnobelpreisträgerin Malala habe ich auch großen Respekt. Und natürlich ist Greta Thunberg für mich ein starkes Vorbild: Sie hat sehr viel Kampfgeist und lässt sich auch von dem ganzen Hass, der ihr entgegenschlägt, nicht aus dem Konzept bringen.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich möchte dazu beitragen, dass mehr Frauen politisch aktiv werden und wir gleichwertig mit Respekt behandelt werden. Wir wollen ja gar nicht mehr, sondern die gleichen Rechte.
Persönlich würde ich mir auch mehr Frauen in der Feuerwehr wünschen. Ich bin selbst Mitglied in der Feuerwehr… und der Frauenanteil ist wirklich sehr gering - dabei können wir das auch.
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Autonomie, Freiheit und Selbstbestimmung: Der Konsumkapitalismus hat schon früh erkannt, dass die Anliegen der Frauenbewegung für ihn nützlich sind. Der markttaugliche Feminismus verlagert die Arbeit: weg von politischen Forderungen für alle, hin zur Arbeit an und für sich selbst. Welche Gefahren birgt diese Individualisierung, befeuert durch Social Media, für den Diskurs über Gleichberechtigung? Beate Hausbichler zeigt auf, wo überall Feminismus in dicken Lettern draufsteht, obwohl nur Selbstoptimierung, Selbstdarstellung und letztlich Konsum drinstecken, und welches Risiko das für eine politische Bewegung bedeutet.
Erschienen im Residenz Verlag, 224 Seiten, 22 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Mit den ersten Hochrechnungen am Sonntagabend endete der Traum vom Kanzleramt für Annalena Baerbock endgültig. Die Grünen erhielten zwar im Vergleich zu 2017 deutlich mehr Stimmen - am Ende reichte es trotzdem “nur” für Platz 3. Mit den Gesprächen über mögliche Koalitionen begannen auch die Spekulationen über mögliche Posten in der künftigen Bundesregierung. Baerbocks Rolle darin wurde auf Twitter diskutiert - auch, weil auf einmal Robert Habeck wieder sehr präsent war.
Katharina Nocun
Egal wie es jetzt weitergeht. Die Art und Weise, wie mit einer weiblichen Kanzlerkandidatin umgegangen wurde, werden viele nicht so schnell vergessen. Für viele Frauen, die politische Ämter anstreben, muss das extrem abschreckend wirken. Will sowas nicht nochmal erleben. 😢
Annika Brockschmidt
Wenn mir noch irgendeiner „erklärt“, Spitzenpolitikerinnen würden nicht anders behandelt als ihre männlichen Kollegin, weil Merkel ja Kanzlerin war bekomm ich einen Rappel. Das Pendant zu „Rassismus ist überwunden denn es gab ja einen Schwarzen Präsidenten“.
Hatice Akyün
Sie holt für die Partei das beste Ergebnis ever, gilt aber als gescheitert, weil sie die galaktischen Erwartungen nicht erfüllt hat. Sie gesteht Fehler ein. Das Verhalten ist keine Frage des Charakters. Die Ansprüche an Männer und Frauen sind in diesem Land schmerzhaft ungerecht.
Benjamin Weber
stell dir vor du hast annalena baerbock gewählt weil du die vorstellung einer weiblichen, relativ jungen spitzenpolitikerin gut findest, und dann schließt die partei erst laschet als kanzler nicht aus und dann wird habeck plötzlich der starke mann in der partei, tja liebe grüne
Jana Hensel
Annalena #Baerbock wird, nachdem sie die Umfragen für die Grünen halbiert hat, sehr wahrscheinlich Ministerin in einer neuen Regierung. Sie wird damit die erfolgreichste Verliererin dieses Wahlkampfes sein. Just saying.
teresa bücker
Im „wir haben schon längst Gleichberechtigung erreicht“-Deutschland gab es übrigens bislang keine Bundesfinanz- und keine Außenministerin. Na?
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