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Abtreibungsdebatte: In Deutschland bewegt sich was

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in den USA sorgt die Tatsache, dass der Supreme Court das liberale Recht des Landes auf Abtreibung demnächst kippen könnte, für große Bestürzung. Anhängerinnen der Pro-Choice-Bewegung, die sich für eben dieses Recht einsetzen, fürchten, dass damit Schwangerschaftsabbrüche in weiten Teilen des Landes unmöglich gemacht werden könnten - auch dann, wenn der Embryo infolge einer Vergewaltigung entstanden ist.
Was hat ein Gerichtsurteil aus den USA mit uns Frauen in Deutschland zu tun? Es sollte uns wachsam machen, wenn in einer westlichen Demokratie ernsthaft erwogen wird, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung derart einzuschränken. In einem Land, das uns einmal als Vorbild einer liberalen Demokratie diente und aus dem wir nicht zuletzt so viel Popkultur importieren.
Zwar sind auch in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche verboten und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei - nämlich wenn der Abbruch vor der zwölften Schwangerschaftswoche und nach Beratung passiert oder es eine medizinische Indikation gibt. Allerdings bewegt sich gerade etwas: Heute hat der Bundestag in erster Lesung über die Abschaffung des ebenfalls im Strafgesetzbuch verankerten Werbeverbotes für Abtreibungen beraten.
Außerdem hat die neue Bundesfamilienministerin Lisa Paus angekündigt, eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen prüfen zu lassen. „Ich bin sicher, keine Frau bricht leichtfertig eine Schwangerschaft ab“, sagte die Grünen-Politikerin. Frauen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen ließen, dürften nicht stigmatisiert werden. „Als Bundesregierung wollen wir deshalb eine Kommission einsetzen, die unter anderem die Möglichkeit prüft, Schwangerschaftsabbrüche außerhalb des Strafgesetzbuches zu regeln“, erklärte Paus.
Ein sehr guter Vorstoß. Schwangerschaftsabbrüche werden seit Jahrhunderten durchgeführt, ob nun legal oder nicht. Die Frage ist nur, ob Frauen dabei ihr eigenes Leben riskieren oder nicht. Und diese Frage sollte nicht von Gremien wie dem Supreme Court beantwortet werden, in dem mehrheitlich Männer sitzen. Das einzige, was Schwangerschaftsabbrüche tatsächlich verhindert, ist umfassende sexuelle Aufklärung, einfacher Zugang zu Verhütungsmitteln und mehr Forschung zu Verhütungsmitteln für Männer.
Letztendlich lässt es sich auf einen einfachen Grundsatz runterbrechen: Unsere Körper, unsere Entscheidung.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!
Interview der Woche

“Ohne uns Frauen liefe gar nichts”
Seit 2008 ist Frauke Eiben Pröpstin im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg. Zum August geht sie in den Ruhestand. Im Newsletterin-Interview spricht sie darüber, wie Frauen die evangelisch-lutherische Kirche prägen und welche Kollegin sie in ihrer Laufbahn besonders begleitet hat.
Pröpstin Frauke Eiben. Foto: Thomas Berg
Pröpstin Frauke Eiben. Foto: Thomas Berg
Wie sind Sie Pröpstin geworden?
Ich komme nicht aus einer Akademiker-Familie, ich war die Erste, die Abitur gemacht hat. Kindergottesdienste und die Jugendarbeit haben mein Interesse an der Kirche geweckt. Nach dem Abitur habe ich aber erstmal eine Bürolehre gemacht und als Sekretärin in einer Tischlerei gearbeitet. Ich würde sagen, dass mir das, was ich damals gelernt habe, bis heute in der täglichen Arbeit hilft. Die Bildungsarbeit der Kirche hat mich motiviert, weiter zu lernen. Ich habe mein Abitur nachgeholt und dann Theologie studiert. 13 Jahre lang war ich Pastorin in Lübeck, außerdem habe ich acht Jahre für Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter gearbeitet - bis ich mich dann 2008 als Pröpstin für den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg beworben und zur Wahl gestellt habe.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Ich kann mich nicht daran erinnern. Die kirchlichen Gremien sind inzwischen so durchmischt, dass es hier keine reinen Männerrunden mehr gibt. Was mir aber auffällt, sind allerdings die ungleichen Redeanteile: Ich habe schon einige Sitzungen erlebt, in denen sich Frauen nicht zu Wort gemeldet haben.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Mich stört die Anrede “Liebe Brüder” – wenn die Schwestern “mitgemeint” sind sehr. Ich finde es unverschämt, dass es so etwas noch gibt, das möchte ich wirklich nicht mehr hören. Mich ärgert es auch, wenn von “Zickenkrieg” gesprochen wird, wenn sich zwei Frauen im beruflichen Kontext streiten. Bei Männern geht es dann immer um die Sache, bei Frauen wird aber die emotionale Seite so betont.
Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen in der Kirche heutzutage?
So wie sich gesamtgesellschaftlich viel geändert hat, hat sich auch in der Kirche viel getan. Auf der formalen Ebene ist in der evangelischen Kirche eigentlich alles erreicht, Frauen können alle Ämter bekleiden, die es gibt. Es gibt aber häufig noch dieses Denkmuster: “Wir haben ja schon eine Frau in diesem Gremium, da brauchen wir ja nicht noch eine.” So würde man bei Männern auch nicht argumentieren. Und unsere Kirche lebt so sehr davon, dass Frauen in den Gemeinden und auf allen Ebenen mitwirken. Ohne uns Frauen liefe gar nichts.
Was sollte getan werden, damit Frauen in der Kirche noch präsenter sind?
Ein gutes Netzwerk und ständige Weiterbildung hilft sehr. Mir ist das auch nicht in die Wiege gelegt worden, unangenehme Dinge anzusprechen, das muss man einfach üben. Aber theoretisch stehen alle Türen offen: Jede Theologiestudentin, die heute an der Uni anfängt, weiß, sie kann Bischöfin werden.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Finde deinen eigenen Stil und bleibe authentisch. Wir müssen nicht alles so machen, wie die Männer. Auch wir Frauen sind so unterschiedlich, haben verschiedene Gaben und Talente. Es ist wichtig, den eigenen Weg zu gehen und Freude an dem zu behalten, was man macht.
Wer sind Ihre Vorbilder, Ihre Inspiration?
Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter ist mir nicht nur eine Freundin, sondern auch ein Vorbild geworden. Sie hat einen sehr weiten Blick auf Fragen der Kirche weltweit. Außerdem meine Großmutter Frieda: Sie war ein Mensch, der Frieden stiften konnte und mir immer viel zugetraut hat. Aus dem biblischen Kontext hat mich Maria-Magdalena fasziniert. Sie ist eine starke Frau, eine Apostelin, die ihren Weg ins Leben gefunden hat und es geschafft hat, die christliche Botschaft weiterzutragen. Aus dem Alten Testament ist es das Buch Ruth: Der Name bedeutet “Freundin” oder “Weggefährtin”. Das ist mir wichtig, mit Frauen unterschiedlicher Generationen unterwegs zu sein.
Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft?
Der Wunsch, der im Moment für alle Menschen vorn steht: Frieden!!! Unser Lebensfundament ist ins Wanken geraten, wir müssen uns fragen, in welcher Welt unsere Kinder und Enkel aufwachsen werden. Mein großer Wunsch ist, dass es friedlicher gehen möge. Für meinen Ruhestand wünsche ich mir außerdem mehr Zeit für die Familie, meine Enkelkinder und meine Freunde. Als Pastorin arbeitet man eben oft, wenn andere frei haben. Außerdem engagiere ich mich schon lange für zwei Bildungsprojekte in Indien und Südafrika: Das sind Herzensanliegen, um die ich mich weiter kümmern möchte.
Abtreibungs-Debatte

Paragraf 219a: Justizminister verteidigt Abschaffung
Biden scheitert mit Vorstoß für bundesweites Abtreibungsrecht im US-Senat
Kommentar: Willkommen in den 1950er-Jahren
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Sie ist die Frau, der man nachsagt, dass sie kein Glück in der Liebe hat. Diejenige, die ihr Leben alleine regelt. Die Frau ohne Begleitung. Vom Bürofräulein der Weimarer Republik bis zur angeblich einsamen Akademikerin der Gegenwart – sie ist die wahre Heldin der Moderne: die Singuläre Frau.
Kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag stellt Katja Kullmann fest, dass auch sie so eine geworden ist: ein Langzeit-Single. Die Erkenntnis ist ein kleiner Schock. Dann eine Befreiung. Und ein Ansporn – nicht nur für die schonungslose Selbsterkundung, sondern auch für eine Spurensuche. Welche literarischen, sozialen und popkulturellen Zeugnisse hat die Frau ohne Begleitung hinterlassen? Und wie könnte ihre Zukunft aussehen? Katja Kullmann führt ihre Leserinnen zu einer radikalen Neubewertung der alleinstehenden Frau. In dem Bestseller “Generation Ally” beschrieb die Autorin, warum es so kompliziert ist, eine Frau zu sein. Zwanzig Jahre später erzählt sie nun, wie es ist, eine Frau ohne Begleitung zu sein.
Erschienen bei Hanser Berlin, 336 Seiten, 24 Euro
Twitter-Reaktionen

Nicht nur die Abtreibungsdebatte in den USA sorgt unter dem Hashtag #RoeVWade für leidenschaftliche Kommentare und Diskussionen auf Twitter. Auch die geplante Abschaffung von Paragraf #219a in Deutschland bewegt die User.
Familien-, Senioren-, Frauen- & Jugendministerium
"Die Streichung des Paragrafen #219a ist längst überfällig. Es geht um fundamentale, existenzielle Fragen – um das Menschenrecht auf reproduktive #Selbstbestimmung, um das Recht von #Frauen, über ihren Körper zu entscheiden." Bundesfrauenministerin @lisapaus https://t.co/V2RfjQiOeS
Daphne Weber 🏳️‍🌈
Die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch gehört zur Gesundheitsversorgung dazu. Nicht nur #219a sollte abgeschafft werden, sondern auch Paragraf 218.
Ria Schröder 💛💙
#219a verhindert sachliche Informationen für Frauen in einer Notlage und kriminalisiert Ärztinnen und Ärzte. Besonders stört mich das Frauenbild: Was will man eigentlich schützen, indem man Frauen Informationen vorenthält? Gut, dass die Abschaffung heute in den #Bundestag kommt.
Deutscher Frauenrat
Heute wird im #Bundestag die geplante Aufhebung von #219a StGB debattiert, die wir unterstützen. 

Die Aufhebung bedeutet:
➡️für Schwangere: zeitgemäßer und uneingeschränkter Zugang zu sachlicher Informationen
➡️für Ärzt*innen: Rechtssicherheit
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