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Ampel-Koalition - Grünes Licht für Gleichstellung?

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
gibt es sie etwa doch noch, die guten Nachrichten? In dem Koalitionsvertrag, den die Ampelparteien am Mittwoch vorstellten, sind einige Punkte festgehalten, die die Gleichstellung der Geschlechter tatsächlich ein ganzes Stück voranbringen könnten: Der Paragraf 219a, der es Gynäkologinnen unmöglich macht, ihre Patientinnen darüber zu informieren, dass und mit welchen Methoden sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, soll gestrichen werden. Wenn ein Kind in eine lesbische Beziehung geboren wird, sind automatisch beide Frauen die rechtlichen Mütter. Das bestehende Transsexuellen-Gesetz soll abgeschafft werden, stattdessen soll eine Änderung des Geschlechtseintrags im Personenstand grundsätzlich per Selbstauskunft möglich sein. Die Kosten geschlechtsangleichender Behandlungen sollen vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.
Bisher sind das alles gute Vorsätze. Wie ernst die Ampel-Parteien es damit meinen, wird sich im Laufe der nächsten vier Jahre zeigen. Auch wenn ich das alles erst glaube, wenn es tatsächlich umgesetzt ist, bin ich optimistisch, dass die Richtung in der Gleichstellungspolitik erst einmal stimmt.
Die Koalitionspartner haben sich auch darauf verständigt, dass die Finanzierung der Frauenhäuser sichergestellt werden soll. Wie dringend das nötig ist, zeigen aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes: 2020 ist die Zahl der Fälle von Gewalt in Partnerschaften erneut gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent. Die Zahl der Gewaltopfer in Partnerschaften stieg um 4,4 Prozent auf 148.031 Opfer im Jahr 2020. Ganz überwiegend trifft diese Gewalt Frauen: 80,5 Prozent der Opfer sind weiblich. Darauf wird alljährlich am Orange Day, am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, aufmerksam gemacht. Wie groß das Problem in Schleswig-Holstein ist, lesen Sie weiter unten im Newsletter.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende,
Ihre
Interview der Woche

Es war ein historischer Erfolg für den deutschen Rollkunstlauf auf der WM in Paraguay: Die 23-jährige Lübeckerin Emilia Zimermann fuhr mit der Musik von “Dr. Schiwago” zur Silbermedaille im Solotanz. Im Interview spricht sie darüber, vor welchen Herausforderungen Frauen im Leistungssport stehen, der finanziell nicht so gut gefördert wird wie Fußball.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich habe mit achteinhalb Jahren mit dem Rollkunstlauf angefangen. Das ist relativ spät für den Leistungssport, aber meine Trainerin Micaela hat etwas Besonderes in mir gesehen. Es gab viel aufzuholen und zu erarbeiten. Über zehn Jahre habe ich viel Energie und Leidenschaft in den Sport gesteckt, schon während des Abiturs habe ich viel Disziplin und Ehrgeiz aufgebracht, um Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen. 2016 bin ich in der Juniorenklasse dann meine erste WM gelaufen. 2017 bin ich für ein duales Studium im Fach International Business Administration nach Berlin gezogen, das ich im Oktober 2020 abgeschlossen habe. Seitdem konzentriere ich mich Vollzeit auf den Leistungssport und kann so alle Energie in das Training stecken, war viel in Italien zum Trainieren. Das hat sich ausgezahlt, der Lohn war die Silbermedaille auf der WM 2021 in Paraguay.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Rollkunstlauf ist ja durchaus ein Frauensport - was sehr schade ist! Deshalb wäre es wohl einfacher zu sagen, wann zuletzt Männer beim Training dabei waren.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Viele Leute kennen Rollkunstlauf entweder gar nicht, oder sie stempeln es als Rollschuhversion des Eiskunstlaufs ab. Dabei sind wir eine eigenständige Sportart.
Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen im Leistungssport - gerade in einer Sportart, die eben nicht so viel Aufmerksamkeit wie Fußball oder Handball erfährt?
Warum auch immer ist unsere Sportart nicht olympisch. Dadurch gestaltet sich die Finanzierung immer schwierig und es ist - zumindest in Deutschland - quasi unmöglich, nur vom Sport zu leben. Ich habe am Ende zwei Nebenjobs gemacht, um das zu finanzieren. Irgendwann muss man sich aber entscheiden: Entweder, man geht komplett im Sport auf und wird dann auch Trainerin, oder man muss sich aus dem Leistungssport verabschieden. Denn ein Vollzeitjob und das intensive Training geht parallel irgendwann nicht mehr.
Was sollte getan werden, um vermeintliche Frauensportarten präsenter zu machen?
Ich glaube, dass die Berichterstattung hier eine große Rolle spielt. Die Lübeckerinnen und Lübecker wissen inzwischen vielleicht eher etwas mit Rollkunstlauf anzufangen, nachdem über meine Silbermedaille berichtet wurde. Es gibt hier so viel Potenzial und so viele Kinder, denen eine dieser Disziplinen Spaß machen könnte - wenn sie sie denn kennen würden. Dafür wäre es auch gut, wenn auch in der Schule nicht immer dieselben drei Sportarten unterrichtet würden.
Auch im TV sollten insgesamt mehr Randsportarten gezeigt werden. Momentan ist es so, dass sich der Großteil der Sponsoren auf den Fußball konzentriert. Ich denke, es könnte eine tolle Möglichkeit für alle sein, auch mal kleinere, regionale Sportler zu unterstützen. Zum einen natürlich für die Sportler, die so viel Zeit und in Energie in Ihre Berufung legen und am Ende doch so oft einstecken müssen, aber eben auch, um andere Sportarten bekannter zu machen und das Interesse bei den Leuten zu wecken und letztlich dadurch dann auch für das Image der regionalen Unternehmen.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Habt keine Angst vor Herausforderungen. Wichtig ist, sich klarzumachen: Was ist mein Ziel, und wie kann ich es erreichen? Man muss einen klaren Weg vor Augen haben. Ich bin das beste Beispiel dafür: Die Trainingsbedingungen in Deutschland für Rollkunstläuferinnen sind wirklich schwierig, aber am Ende hat sich die jahrelange Arbeit ausgezahlt.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Sportlich gesehen sind da zum einen Silvia Stibilij, bis 2019 fünffache Weltmeisterin in Folge in meiner Disziplin. Beeindruckend, wie sie jedes Jahr aufs Neue begeistert und sich durchgesetzt hat. Und vom Eiskunstlauf sind es Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron. Ich glaube, kein anderer schafft es, aus dem Sport so eine Kunst zu machen und die Leute so zu berühren, das ist eine große Inspiration für mich.
Ansonsten bewundere ich alle Frauen, die es zum Beispiel in der Politik oder Wirtschaft in starke Positionen geschafft haben. Ich kann mir vorstellen, mit wie viel Gegenwind sie zu kämpfen hatten.
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Kurzfristig möchte ich bis zur WM 2022 noch besser werden, wieder mein Bestes geben und dann hoffentlich wieder eine gute Platzierung erreichen und so noch mehr Leute für Rollkunstlauf begeistern. Außerdem möchte ich meinen Master machen und dann auch beruflich etwas mehr ankommen.
Orange Day - Tag gegen Gewalt an Frauen

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Debatte um Staffellauf

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Der Buch-Tipp

Gewalt gegen Frauen ist ein alltägliches Phänomen, auch wenn sie nur selten öffentlich wird. “AktenEinsicht” erzählt Geschichten von Frauen, die körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, und vermittelt überraschende, teils erschreckende Einsichten in die Arbeit von Justiz und Polizei.
Nach den neuesten Zahlen des BKA ist jede dritte Frau in Deutsch­land von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Welche Lebensgeschichten sich hinter dieser erschreckenden Zahl verbergen, davon erzählt die Strafrechtsanwältin Christina Clemm, empathisch und unpathetisch.
Alina ist nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Sie wusste, dass sie wahrscheinlich nur als Prostituierte wird arbeiten können, und kommt gut damit zurecht. Mit Vielem hat sie gerechnet, aber nicht damit, dass ein Bekannter ihres Bruders ihr nachstellt und – als sie ihn abweist – versucht, sie auf offener Straße zu töten. Eva verlässt ihren Freund, der sie in den Bauch tritt, als sie schwanger ist. Er verfolgt sie, schickt Morddrohungen. Siebzehn Mal hatte sie ihn vergeblich bei der Polizei angezeigt, als ihre Tochter sie tot in ihrer Wohnung findet. Faizah wird von ihrem deutschen Ehemann schwer misshandelt. Einmal gelingt es ihr, sich nach draußen zu retten. Er folgt ihr, prügelt weiter, würgt sie, bis Passanten ihn festhalten und die Polizei holen.
Wie gewinnt man nach einer Gewalterfahrung die Selbstachtung zurück, die Selbstbestimmung über das eigene Leben? Wie geht man damit um, dass die Polizei einen angekündigten Mord nicht ernst nimmt? Dass man einem Richter gegenübersteht, der auf dem rechten Auge blind ist? Was macht es mit den Betroffenen, die Täter wiedersehen zu müssen und sich bohrenden Fragen zur Tat zu stellen?
Christina Clemm nimmt uns mit auf eine Reise in die Gerichtssäle der Republik, an die Tatorte, in die Tatgeschehen. Es sind Geschichten, die man nicht mehr vergessen wird.
Erschienen beim Verlag Antje Kunstmann, 206 Seiten, 20 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Am Mittwoch stellten SPD, Grüne und FDP den Koalitionsvertrag vor, auf dessen Grundlage sie für die nächsten vier Jahre Deutschland regieren möchten. Aus feministischer Sicht haben es einige wichtige Punkte in den Vertrag geschafft, etwa die Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche und eine Verbesserung der Betreuung durch Hebammen unter der Geburt: Ein Überblick.
Eva Ich bin sehr müde Horn
Bye bye 219a, niemand wird dich vermissen.
teresa bücker
Das hier ist ein kleines bisschen revolutionär. Bin gespannt auf die rechtliche Ausgestaltung und was das für §218 bedeutet:

„Die Möglichkeit zu kostenfreien Schwangerschaftsabbrüchen gehören zu einer verlässlichen Gesundheitsversorgung.“ 🎉

#koalitionsvertrag
Kersten Augustin
ENDLICH! "Wenn ein Kind in die Ehe zweier Frauen geboren wird, sind automatisch beide rechtliche Mütter des Kindes, sofern nichts anderes vereinbart ist." ❤️
Georgine Kellermann🏳️‍⚧️🇪🇺🇩🇪🏳️‍🌈💉&💉&💉
🤩🤩🤩🤩Im Kühlschrank steht jetzt Champagner 🍾 🥂 für später. Dann stoße ich auf die Abschaffung des #Transsexuellengesetz es an. 🤩🤩🤩🤩 Danke 🙏 🚦🏳️‍⚧️🇪🇺🇩🇪🏳️‍🌈
Stephanie Schlitt
Kulturwandel in der #Geburtshilfe kommt! Die #Ampelkoalition will einen Aktionsplan zum Nationalen Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“, einen Personalschlüssel für die 1:1-Betreuung durch Hebammen während der Geburt und keine Fehlanreize zum Kaiserschnitte mehr.
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