Aus für Geburtsstation: "Das ist eine Katastrophe"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
sind Sie in der Stadt geboren, in der Sie aufgewachsen sind? Werdende Eltern müssen heutzutage immer weitere Wege fahren, um zum nächsten Kreißsaal zu kommen.
Denn: Eine Geburtsstation lohnt sich gerade für kleine Kliniken wirtschaftlich oft nicht. Zu viel Zeit und Personal nimmt sie in Anspruch. Im Ratzeburger DRK-Krankenhaus wurde jetzt deshalb die Geburtsstation geschlossen: Zu wenig Geburten und keine Ärztinnen oder Ärzte, die in knapper Besetzung arbeiten möchten. Die Stadtgesellschaft war daraufhin völlig erschüttert: Viele Eltern teilten in den sozialen Medien ihre Erinnerungen an die Geburt ihrer Kinder in diesem Krankenhaus. Ich habe mit einer werdenden Mutter gesprochen, die eigentlich in wenigen Wochen in Ratzeburg entbinden wollte, und mit einer Hebamme, die selbst 20 Jahre auf dieser Geburtsstation gearbeitet hat. Als sie den Rundumblick aus dem Kreißsaal über die Seen der Stadt beschrieben hat und davon erzählte, wie viele Sonnenauf- und -untergänge sie mit vielen werdenden Mütter von dort aus beobachtet hat, bin ich selbst sehr wehmütig geworden.
Für das Interview der Woche habe ich diesmal mit einer jungen, aufstrebenden Musikerin gesprochen: Joy Bogat, 26 Jahre alt und gebürtige Bad Segebergerin, erzählt von ihrem Weg ins Musikgeschäft und warum es sie nervt, dass viele Menschen davon ausgehen, dass Schwarze Menschen grundsätzlich sehr gut singen können.
Ein erholsames Wochenende wünscht
Interview der Woche

Indie-Pop aus dem Norden: Mit samtweicher Stimme und starken Songs startet Joy Bogat karrieremäßig gerade richtig durch. Die 26 Jahre alte Sängerin aus Bad Segeberg plant aktuell ihre erste Tournee.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich stehe seit ich 13 Jahre alt bin auf der Bühne und schreibe meine eigenen Songs. Meinen ersten Auftritt habe ich meiner großen Schwester zu verdanken: Sie wollte unbedingt, dass ich bei der Schulweihnachtsfeier auftrete. Ohne diesen Anstoß hätte ich mich das nicht getraut.
Danach war ich in einer Big Band. Jetzt studiere ich Popular Music in Hannover und habe 2020 nach mehreren Jahren in unterschiedlichen Bands mein erstes eigenes Konzert gegeben.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Das passiert häufig, wenn wir die Songs arrangieren und produzieren. Vor ein paar Tagen war ich erst bei einem Radiosender in Köln, um ein Konzert aufzunehmen. Insgesamt waren wir zehn Leute im Studio - außer mir alles Männer.
Welche Sprüche können Sie nicht mehr hören, weil sie voller Klischees sind?
Ich habe vor ein paar Jahren angefangen, Bass spielen zu lernen. Mir wurde oft gesagt: “Du lernst das bestimmt richtig schnell.” Der Hintergedanke: Schwarze Menschen haben ja grundsätzlich ein Talent für Rhythmus-Instrumente.
Dasselbe ist es beim Singen: Dieses Vorurteil, dass ja eigentlich alle Schwarzen Menschen singen können, ist immer noch sehr verbreitet. Früher habe ich mich nicht getraut, zu kontern. Inzwischen fordere ich die Leute auf, darüber nachzudenken, warum sie diese Vorurteile haben.
Außerdem wird eigentlich immer damit gerechnet, dass man als Frau nicht mehr der Technik im Studio oder rund um die Bühne umgehen kann.
Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen heutzutage noch in der Musikbranche?
Wir müssen immer noch dafür kämpfen, dass wir ernst genommen werden. Freundinnen von mir, die als Musikproduzentinnen arbeiten, haben zum Teil immer noch Scheu, auf Kolleginnen und Kollegen zuzugehen und gemeinsame Projekte anzustoßen. Dieses Gefühl: “Ich bin sowieso nicht gut genug” ist immer noch sehr verbreitet, das muss sich ändern.
Es gibt schon viele Initiativen, die zu mehr Repräsentanz von Frauen in der Musikszene beitragen möchten, zum Beispiel das “Music Women Germany Collective”. Aber die großen Festivals kriegen es immer noch nicht hin, mehr Frauen auf die Bühnen zu holen. Dann heißt es immer, es gebe nicht genügend passende Künstlerinnen, aber das stimmt nicht.
Was sollte getan werden, damit Frauen hier noch präsenter werden?
Wir sollten Mädchen und generell Kinder, die Spaß daran haben, Musik zu machen, früh fördern und viel ausprobieren lassen. Dazu gehört auch, zu akzeptieren, wenn Dinge nicht gleich klappen. So sollten Jam Sessions funktionieren: Als Raum, sich musikalisch auszuprobieren. So etwas sollte gerade für Mädchen öfter angeboten werden. Nur so erreichen wir, dass junge Musikerinnen sich selbst mehr zutrauen und nicht das Gefühl haben, ihrem Umfeld und ihren Aufgaben gewachsen zu sein.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Es ist ok, wenn man Musikstile ausprobieren muss, um die Richtung zu finden, in die man selbst gehen möchte. Ich weiß erst jetzt mit 26 langsam, was ich musikalisch machen möchte. Also: Probiert alles aus und habt keine Angst, Dinge nicht zu können.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Alicia Keys: Sie ist eine der ersten Künstlerinnen, die ich gehört habe. Ich bewundere sie dafür, dass sie es geschafft hat, sich nicht verbiegen zu lassen.
Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Zuerst möchte ich mein Studium beenden. Für danach wünsche ich mir, dass es musikalisch mehr wird: Mehr Festivals, mehr Konzerte, und ich so meinen Radius als Künstlerin stetig vergrößern kann. Mitte Februar sind in Italien Konzerte geplant, im März in Deutschland, zum Beispiel auch in Hamburg. Außerdem würde ich gern einen Fuß in die Tür als Synchronsprecherin kriegen.
Aus für Geburtsstation

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Mallard, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte, und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950er-Jahren Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichem Wesen. Aber in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich.
In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür - und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen, bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.
Brit Bennett gilt sie als eine der wichtigsten jungen Stimmen der US-Literatur, wurde gefeiert für die Entschiedenheit und Nonchalance, mit der sie sich anschickte, in die großen literarischen Fußstapfen einer Toni Morrison zu treten.
Erschienen bei Rowohlt, 416 Seiten, 12 Euro (Taschenbuch)
Twitter-Diskussion der Woche

Die katholische Kirche ist derzeit nicht nur wegen Missbrauchsvorwürfen in den Schlagzeilen: Unter den Hashtags #OutInChurch und #WieGottUnsSchuf teilten queere Menschen auf Twitter ihre Erfahrungen im Umgang der katholischen Kirche mit Homo- und Transsexualität.
Julian M. Beuter
Kommentar von Omma (fast 89, streng katholisch):

“Die Kirche soll sich mal nicht so anstellen. Die Leute werden ja so geboren.”

Machtwort gesprochen 👵🏻✊🏳️‍🌈

#OutInChurch
Gisela Sauter-Ackermann
Bundesarbeitsgemeinschaft katholischer Bahnhofmissionen unterstützt #OutInChurch - Für eine Kirche ohne Angst
Die Forderungen sind überfällig: „Wir vertrauen darauf, dass Gott jeden Menschen will und liebt und ihm eine eigene Würde verleiht." (Leitbild der Bahnhofsmission)
Luisa Neubauer
So dramatisch, dass es notwendig ist, so beklemmend, dass es dafür Mut braucht, so großartig, dass es passiert. #WieGottUnsSchuf
Ida Funkhouser
Ein älterer Verwandter von mir ist seit fast 40 Jahren mit seinem Lebensgefährten zusammen, beide arbeiten im medizinischen Bereich für kirchliche Einrichtungen. Sie haben sich nie getraut zu heiraten oder sich bei der Arbeit zu outen aus Angst entlassen zu
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#WieGottUnsSchuf
Ida Funkhouser
werden. Erst wenn beide in Pension gehen werden sie heiraten. Mal abgesehen von den finanziellen und anderen Nachteilen, ist es einfach auch so traurig, ungerecht und unglaublich belastend! #WieGottUnsSchuf
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