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Bundespolizistin Peggy Sojka: "Frauen leisten wertvollen Beitrag"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn ich die Nachrichten rund um die Themen Mieten und Wohnungsbau lese, kann ich regelmäßig nur den Kopf schütteln. Ganz extrem war das in dieser Woche bei der Geschichte von Hazare Kabani: Die dreifache Mutter wollte in Lübeck eine Wohnung kaufen. Die Bank hatte die Finanzierung zugesagt, eine passende Wohnung war gefunden. Doch die Verkäuferin sagte der Familie ab. „Sie sagte, dass die Nachbarn keine ausländische Familie wollten“, hat Hazare Kabani meinem Kollegen Kai Dordowsky berichtet. Die ganze Geschichte und was die Stadt Lübeck gegen Diskriminierung bei der Wohnungssuche tun möchte, lesen Sie hier. Parallel dazu hat das Berliner Verfassungsgericht übrigens gerade ein politisches Instrument für verfassungswidrig erklärt, das es vielen Menschen in den letzten Monaten deutlich leichter gemacht hat, ihre Miete zu bezahlen. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt wird uns also wahrscheinlich noch länger beschäftigen.
In Haffkrug wird derweil ein Hotel gebaut. Das Projekt bietet seit Jahren viel Diskussionsstoff in der Gemeinde. Jetzt hat Scharbeutz’ Bürgermeisterin Bettina Schäfer von den Gemeindevertretern viel Kritik abbekommen, weil sie wichtige Informationen zurückgehalten haben soll. Den ganzen Fall können Sie hier nachlesen.
Zum Schluss ein Blick in die sozialen Medien: Die Sendung “Die Höhle der Löwen” wird dort ohnehin gern diskutiert. Zwei Gründer haben in dieser Woche allerdings für ihre, wie sie dachten, sehr guten Idee einen veritablen Shitstorm kassiert. Was genau das Problem mit ihrer Produktidee war, lesen Sie weiter unten in der Twitter-Diskussion.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihre
Interview der Woche

Aufgewachsen in Hamburg, Ausbildung in Walsrode und Lübeck, Stationen in Berlin und Potsdam - jetzt ist Peggy Sojka wieder in Norddeutschland angekommen. Die 42-Jährige ist seit einem halben Jahr Vize-Chefin der Bundespolizei in Ratzeburg. Im Interview erzählt sie, warum sie optimistisch für die Zukunft der Frauen bei der Bundespolizei ist.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Nach meinem Abitur im Jahr 1998 stellte sich für mich nicht die Frage, welchem Beruf ich gerne nachkommen möchte. Für mich stand fest, eine Ausbildung zur Polizeikommissarin im damaligen Bundesgrenzschutz zu absolvieren. Erst elf Jahre bevor ich mich dieser Herausforderung stellte, war es Frauen möglich, Dienst in dieser Bundessicherheitsbehörde zu versehen.
Mein dienstlicher Werdegang führte mich durch unterschiedliche Funktionen im Bundesgrenzschutz und der heutigen Bundespolizei. Im Laufe dieser Zeit entwickelte sich mein Interesse an einem Aufstieg in den höheren Polizeivollzugsdienst der Bundespolizei. Das resultiert auch aus meinem beruflichen Selbstverständnis, mich einzubringen, im Bereich der Mitarbeiterführung Verantwortung zu übernehmen und an der Gestaltung der Organisation und ihrer Prozessabläufe mitzuwirken.
Nach 20 Jahren Diensterfahrung habe ich das Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup begonnen und konnte das im September 2020 als Polizeirätin mit dem akademischen Titel „Master of Arts (MA) Public Administration – Policemanagement“ erfolgreich abschließen.
Ähnlich entschlossen wie nach meinem Schulabschluss wollte ich mich der Herausforderung als stellvertretende Abteilungsführerin bei der Bundesbereitschaftspolizei stellen. Ich bin dankbar, dass mir die Gelegenheit gegeben wurde, diese Funktion bei der Bundespolizeiabteilung Ratzeburg wahrzunehmen. 
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Die Bundespolizei steht für eine gleichberechtigte Beschäftigung von Frauen in den unterschiedlichen Laufbahnen. Nichtsdestotrotz kommt es vor, dass ich als einzige Frau an Besprechungen oder Veranstaltungen teilnehme. Ich habe dabei nie den Eindruck, dass dieser Umstand für die anderen Teilnehmer eine Rolle spielt. Ein respektvoller Umgang - egal ob Mann oder Frau - steht für uns alle im Vordergrund. 
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Die Herausforderungen bestehen aus meiner Sicht darin, das familiäre Umfeld entsprechend stabil zu gestalten, so dass es den Frauen möglich wird, ihren beruflichen Weg gehen zu können. Die Bundespolizei bietet zahlreiche, geeignete Möglichkeiten, berufliche Entwicklungen mit familiären Belangen zu vereinbaren. Das ist auch ein besonderes Anliegen der Bundesbereitschaftspolizei, da die Beamtinnen und Beamten an ständig wechselnden Orten eingesetzt werden. Ich freue mich, dass wir regelmäßig Angebote unterbreiten können, Tätigkeiten in Teilzeit oder durch Homeoffice wahrzunehmen. 
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Die Angehörigen der Bundespolizei verhalten sich, so meine Erfahrungen, ihren Rollen entsprechend. Wir verstehen uns als ein Team oder gar eine große Familie. Dieses Selbstverständnis hat einen professionellen Umgang unter Ausschluss von Klischees zur Folge.  
Diese Situation zeigt sich in meinem privaten Umfeld nicht immer so. Nicht selten kommen die Fragen auf, wie es so als Frau bei der Polizei ist oder wie es sein kann, dass ich stellvertretend die Verantwortung für über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zudem von der Bereitschaftspolizei, trage? Meine Antworten fallen regelmäßig selbstironisch aus. 
Was sollte getan werden, damit mehr Frauen zur Polizei gehen?
Hört auf für Mädchen rosa Spielzeug zu kaufen! Nein im Ernst: Der Bundespolizei ist es in den vergangenen Jahren gelungen, zahlreiche junge Frauen für den Beruf einer Polizeibeamtin in den Laufbahnen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes zu gewinnen. Ich habe in meiner Funktion regelmäßig Kontakt zu jungen Frauen, die sich in der Bundesbereitschaftspolizei beweisen und einen wertvollen Beitrag leisten. Ich ermutige Kolleginnen, Chancen für eine dienstliche Weiterentwicklung zu nutzen. Im Jahr 2019 waren 11.307 Frauen bei der Bundespolizei im Dienst. Ich prognostiziere mit Blick auf die so genannte Einstellungsoffensive einen weiteren Zuwachs an Frauen in unserer Organisation.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Seid mutig, habt Selbstvertrauen und seid zielstrebig! Das sind neben einem stabilen, familiären Umfeld die drei wesentlichsten Attribute, die Frauen in einer Behörde wie der Bundespolizei nach vorne bringen. 
Welche Ihre Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Ich richte meinen Fokus dahingehend nicht auf einzelne Personen. Ich betrachte Frauen in ihrer beruflichen Gesamtheit und nehme mir individuell gezeigte Leistungen zum Vorbild.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Derzeit, das kann ich Ihnen versichern, bin ich in meiner Funktion bei der Bundesbereitschaftspolizei sehr zufrieden. Mein Wunsch ist es, diesen Umstand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.
Peggy Sojka, Vize-Chefin der Ratzeburger Bundespolizei (Foto: Joachim Strunk)
Peggy Sojka, Vize-Chefin der Ratzeburger Bundespolizei (Foto: Joachim Strunk)
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Mein Buchtipp

Unsere Umwelt wurde von Männern für Männer gestaltet. In ‘Das Patriarchat der Dinge’ öffnet Rebekka Endler uns die Augen für das am Mann ausgerichtete Design, das uns überall umgibt. Und sie zeigt, welche mitunter lebensgefährlichen Folgen es für Frauen hat. Unsere westliche Medizin ist beispielsweise – mit Ausnahme der Gynäkologie – auf den Mann geeicht: von Diagnoseverfahren und medizinischen Geräten bis hin zur Dosierung von Medikamenten. Aber auch die Dummys für Crashtests haben den männlichen Körper zum Vorbild – und damit das ganze Auto samt Airbags und Sicherheitsgurten. Der öffentliche Raum ist ebenso für Männer gemacht: Architektur, Infrastruktur und Transport, sogar die Anzahl öffentlicher Toiletten oder die Einstellung der Temperatur in Gebäuden.
Wer überlebt einen Herzinfarkt? Wer friert am Arbeitsplatz und für wen ist er gestaltet? Für wen sind technische Geräte leicht zu bedienen? Für wen ist das Internet? Das Patriarchat ist Urheber und Designer unserer Umwelt. Wenn wir uns das bewusst machen, erscheinen diese Fragen plötzlich in einem neuen Licht.
Erschienen bei Dumont, 336 Seiten, 22 Euro.
Twitter-Diskussion der Woche

Zwei Männer gründen ein Start-Up für pinke Plastikhandschuhe, mit denen Frauen ihre Periodenprodukte leichter entsorgen können sollen. Die Investoren in der Vox-Sendung “Die Höhle der Löwen” finden diese Idee so toll, dass sie einen Deal mit Unternehmer Ralf Dümmel abschließen konnten. Die Frauen auf Twitter werden wohl nicht zur Kundschaft von “Pinky Gloves” gehören.
Isabelle
Zwei Männer haben Pinke Handschuhe für Tamponabfall entwickelt und dabei von die Höhle der Löwen ein Funding bekommen. Wisst ihr wer auch vor zwei Jahren bei die Höhle der Löwen war und kein Funding bekommen hat? Zwei Frauen, die Periodenunterwäsche entwickelt haben.
Hanna Reichhardt
Ich brauch keine pinken Handschuhe, um Tampons zu wechseln.

Ich brauche:
- Die Entstigmatisierung von Menstruation
- Freien Zugang zu Menstruationsprodukten für alle Menstruierenden
- Eine Sexualaufklärung, die ihren Namen auch verdient hat.
(To be continued)
Antje Schrupp
Wie, wer menstruiert darf jetzt einfach blutige Tampons und Binden überall rumliegen lassen und dann kommen Männer mit pinken Handschuhen entsorgen die dann?
Caro
Frauen: „Wir fordern gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit, Gleichbehandlung bei Stellenausschreibungen und mehr Awareness für sexualisierte Gewalt gegen Frauen.“
Männer: „Hier, n pinker Einmalhandschuh, damit wir eure blutigen Tampons nicht mehr sehen müssen.“ #PinkyGate
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