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Christin Voß: "Traut euch, für eure Meinung einzustehen"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
nach vier Monaten Lockdown gibt es wohl niemanden, bei dem die Nerven nicht zumindest kurzzeitig blank lagen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Existenzängste, die Sorge, dass eine nahestehende Person schwer krank werden könnte, wenn sie sich mit dem Coronavirus ansteckt, oder einfach Langeweile, wenn man nicht mehr weiß, wie man seine Freizeit allein zu Hause sinnvoll gestalten kann. Besonders belastend ist die Situation für Familien, deren Alltag zwischen Erwerbsarbeit der Eltern und Homeschooling oft kaum Momente der Ruhe lässt. Währenddessen sehnen sich die Kinder nach einer unbeschwerten Normalität. Die Lübecker Familientherapeutin Marlen Mentner hat mit meinem Kollegen Hanno Kabel darüber gesprochen, was der Lockdown mit den Kindern und Jugendlichen macht und gibt Tipps dafür, wie Familien gut durch diese Zeit kommen.
Christin Voß muss nicht erst seit der Pandemie zwischen mehreren Vollzeitjobs gleichzeitig jonglieren. Sie ist Tierärztin, Mutter von zwei Töchtern - und Bürgermeisterin von Wangels, einer der größten Flächengemeinden in Ostholstein und nebenbei die jüngste Verwaltungschefin im Kreis. Wie es dazu gekommen ist und warum es sie nervt, von manchen Kollegen in der Politik als “kleines Mädchen” abgetan zu werden, erzählt sie im Interview der Woche.
Im Oktober 2019 hat ein rechtsextremer Attentäter in Halle versucht, in eine Synagoge einzudringen, um die Juden zu töten, die darin versammelt waren, um den Feiertag Jom Kippur zu feiern. Das gelang ihm nicht, daraufhin erschoss der Attentäter zwei Personen in der Innenstadt von Halle. Die Lübeckerin Anastassia Pletoukhina war in der Synagoge, in die der Attentäter eindringen wollte. Ein bewegendes Gespräch über ein einschneidendes Erlebnis lesen Sie hier.
Haben Sie ein erholsames, frühlingshaftes Wochenende,
Ihre

Interview der Woche

Christin Voß ist Bürgermeisterin der Gemeinde Wangels. Mit 32 Jahren ist sie die jüngste Verwaltungschefin in Ostholstein und leitet die Geschicke von 32 Gemeinden. Hauptberuf arbeitet sie als Tierärztin.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Als 2018 die Bürgergemeinschaft Gemeinde Wangels gegründet wurde, hat man mich angesprochen dort mitzumachen. Weil ich gerne Anteil an den Geschehnissen in meiner Gemeinde haben wollte - einfach auch um mitzubestimmen, wie die Zukunft für meine Kinder hier aussieht, habe ich mich dort engagiert und relativ zügig wichtige Posten übernommen.
Wer bereit ist, effektiv mitzuarbeiten, kommt schnell in wichtige Positionen. So habe auch ich schnell den Vorsitz eines Ausschusses inne gehabt. Als mein Vorgänger dann im September 2019 seinen frühzeitigen Rücktritt bekannt gegeben hat, hat er mich für seine Nachfolge vorgeschlagen. Die Fraktion hat mich darin bestärkt und ich habe mich dann trotz der Verantwortung für meine junge Tochter und den gerade erst erfolgten Berufseinstieg für die Stelle entschieden, weil ich das Gefühl habe, so etwas Gutes für die Gemeinde tun zu können.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Das passiert mir sehr häufig. Zuletzt bei der letzten Besprechung mit den Fraktionsvorsitzenden meiner Gemeinde.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Es ist nach wie vor schwierig, vor allem bei den älteren Männern, nicht als kleines Mädchen abgetan zu werden. Erst recht, wenn man jung ist. Zudem ist es immer eine größere Belastung für Mütter, alles unter einen Hut zu bekommen.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind? 
Weniger sind es Sprüche. Für mich ist es die Ansprache „Jaja, Mädchen ist ja gut“ oder so etwas in diese Richtung. Oder aber das “Sie macht das schon”. Dies bezieht sich aber weniger auf meine Rolle als Frau, sondern eher auf ehrenamtliche Aufgaben. Es ist schwer, engagierte Ehrenamtliche zu finden.
Was sollte getan werden, damit Frauen in der Politik allgemein, aber besonders in der Kommunalpolitik noch präsenter sind?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich darauf keine Antwort habe. Seitens meiner Verwaltung oder anderen habe ich bisher eine große Unterstützung erfahren.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Dass man sich trauen muss, einfach mal für seine Meinung einzustehen und auf sein Bauchgefühl hören sollte. Trotz der Schwierigkeiten kann es wirklich Spaß machen mit anderen die Geschicke der Gemeinde zu lenken.
Welche Frau war Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Das ist mit Sicherheit meine Mutter, die mir beigebracht hat selbständig zu sein und zu denken. Logisch an die Dinge ranzugehen und dass man mit Freundlichkeit immer am besten voran kommt!
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich hoffe einige der Projekte, die wir für unsere Gemeinde angedacht haben umsetzen zu können. Es sind wirklich schöne Dinge dabei, die unseren Bürgern das Leben ein bisschen schöner machen.
 
Bürgermeisterin Christin Voß
Bürgermeisterin Christin Voß
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Twitter-Diskussion der Woche

Australische Akademiker haben vorgeschlagen, die Begriffe Mutter und Vater abzuschaffen. Sie sollten an ihrer Uni durch geschlechtsneutrale Begriffe wie „austragendes Elternteil“ oder „Nicht-gebärendes Elternteil“ ersetzt werden. Dadurch sollen auch Familienmodelle sprachlich einbezogen werden, die nicht der traditionellen Kleinfamilie entsprechen. Auf Twitter stieß der Vorschlag aber nur auf wenig Zuspruch.
Andreas Hallaschka
@DLFNachrichten Bei Pflege- oder Adoptiveltern wären demnach beide „Nicht-Austragendes-Elternteil.“ Ebenso die Stiefeltern in Patchworkfamilien

Das ist ein ziemlich gestriges Familienbild
EmporioDasani
@DLFNachrichten Bei "austragendem Elternteil" ist es mir leider nicht möglich, festzustellen, ob es sich um eine Sau, eine Stute, Pudeldame oder eine Frau handelt. Dehumanisierung ahoi.
Zum Schluss: Liebe in Zeiten von Corona

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