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Die mutigen ukrainischen Frauen

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es sind Bilder, die einem das Herz brechen und die schonungslos offenbaren, wie viel Leid Putins Angriffskrieg in der Ukraine vor allem für jene bedeutet, die diesen Krieg nie gewollt haben, mehr noch: die überhaupt kein Mitspracherecht hatten. Die Bilder von den Familien, die sich auf dem Bahnsteig noch einmal fest umarmen und dabei bitterlich weinen, bevor Mutter und Kinder in den Zug in Richtung Westeuropa steigen. Der Vater und Ehemann muss zurückbleiben und kämpfen. Ob sie sich je wiedersehen, ist völlig ungewiss. Oder die unzähligen Menschen, die stunden- und tagelang an der polnisch-ukrainischen Grenze ausharren, um vor den russischen Panzern zu flüchten. Oder die völlig zerstörten Wohngebiete großer Städte wie Mariupol oder Charkiw, in denen vor einem Monat noch Familien, Studierenden-WGs oder Rentner-Ehepaare gelebt haben.
Dieser Krieg mitten in Europa ist und bleibt grausam; nach dem Schock der ersten Tage geht es inzwischen auch um den Umgang mit den Flüchtenden, die seitdem täglich in Deutschland ankommen: Wo werden sie untergebracht und welche Unterstützung brauchen sie nach diesen traumatischen Tagen? Mehr dazu lesen Sie in der Twitter-Diskussion der Woche.
Während die russischen Soldaten an der Front kämpfen, gibt es in ihrer Heimat aller Propaganda, allen Zensurbemühungen und der Aussicht auf eine lange Haftstrafe zum Trotz Proteste gegen Putins Krieg. Ehrfürchtig zurückgelassen hat mich der Mut von Marina Ovsyannikova: Sie hat während der Hauptnachrichten im Staatsfernsehen aus dem Hintergrund ein Schild in die Kamera gehalten. Darauf zu lesen war eine unmissverständliche Botschaft gegen den Krieg. Sie wurde zunächst zu einer Geldstrafe von umgerechnet 262 Euro verurteilt - ob sie doch noch ins Gefängnis muss, wird sich im weiteren Prozessverlauf zeigen. In solchen Momenten tut man gut daran, sich zu fragen, ob man selbst den Mut für eine solche Aktion aufgebracht hätte. Ich persönlich bin mir relativ sicher, dass ich diese Courage nicht hätte aufbringen können.
Ich wünsche Ihnen ein friedliches Wochenende,
Ihre
Interview der Woche

Daniela Frackmann (Foto: Matzen)
Daniela Frackmann (Foto: Matzen)
Auf 30 Quadratmetern hat die “MachBar” in Ratzeburg angefangen; seit 2021 bietet die Gollan Werft in Lübeck 200 Quadratmeter Platz für kreative Workshops und Firmenevents - und sogar Junggesellinnenabschiede kann man hier feiern. Daniela Frackmann ist die Chefin der “MachBar”: 2018 hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sie selbst beschreibt sich als “kreatives Kind der 80er vom Niederrhein”, hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist Mutter von zwei Söhnen. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen als Gründerin eines Kreativ-Start-Ups.
Wieso haben Sie die „MachBar“ gegründet?
Die „MachBar“ ist aus meinem eigenen Wunsch heraus entstanden, einen Ort für Kreativität zu schaffen. Ich habe selbst sehr häufig genäht und gewerkelt, aber niemand hatte in Ratzeburg so viel Platz, dass man sich dafür mal in einer größeren Gruppe treffen konnte. Nach einigem Abwägen habe ich mich dann dazu entschlossen, diesen Traum selbst zu verwirklichen. Ich habe also einen Business-Plan geschrieben, 2018 sind wir klein auf 30 Quadratmetern in Ratzeburg gestartet. Die Resonanz war aber vom ersten Tag an so groß, dass da schon klar war, dass das zu klein ist. Ende 2021 kam dann der große Schritt nach Lübeck in die Gollan Werft. Das ist jetzt die Größe, die man braucht, um auch Firmenevents veranstalten zu können. Eine Zweigstelle gibt es außerdem in Bad Oldesloe. In Ratzeburg taucht die „MachBar“ in Kooperation mit der Stadt immer wieder für kleine Pop-Up-Events auf.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Die Gollan Werft ist aktuell noch eine ziemliche Männerdomäne – hier die Kaffeerösterei, dort die Oldtimer-Halle… Aber wir sind uns alle ähnlich und bauen was Tolles auf, verstehen uns sehr gut, ergänzen uns und arbeiten toll zusammen. Ansonsten begegnen mir im Bankensektor bei der Finanzierungsanfrage gerade mehr Männer als Frauen, die in Entscheidungspositionen sind, ob sie einer Firma Geld geben oder nicht. 
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Wenn ich von meinem Unternehmen erzähle, gibt es eher von Männern belächelnde Reaktionen nach dem Motto: „Das ist ja nur Basteln.“ Aber das ist zu kurz gegriffen. Es ist immer eine große Aufgabe, ein Unternehmen aufzubauen – egal, was der Inhalt ist. Es sieht im ersten Moment so aus, als würde ich mich mit meinem Hobby selbstständig machen. Aber das, was ich seit der Gründung am wenigsten mache, ist, selbst kreativ zu sein. 
Vor welchen Herausforderungen stehen Gründerinnen heutzutage immer noch?
Man muss aufpassen, dass man einerseits ernstgenommen wird und sich andererseits nicht völlig für den Job aufgibt. An dem Spruch, Selbstständige arbeiten „selbst und ständig“, ist durchaus etwas dran. Außerdem sehe ich Strukturschwierigkeiten für Gründerinnen: Das Land Schleswig-Holstein unterstützt Start-Ups durchaus, aber vor allem aus den Bereichen Wissenschaft, Lebensmittel und IT. Die Kreativbranche steht da ziemlich hinten an.
Was sollte getan werden, um Frauen, die gründen möchten, noch besser zu unterstützen?
Ich würde mir mehr und passgenauere Beratungsangebote wünschen, zum Beispiel für Frauen, die eben nicht gerade ihr Studium abgeschlossen haben, sondern schon mitten im Leben stehen und vielleicht auch schon Mutter geworden sind und vielleicht nebenberuflich gründen möchten. Wichtig wäre auch, dass diese Programme dann gefördert sind. Ich musste immer selbst investieren, wenn ich eine Beratung in Anspruch genommen habe. Das kann sich auch nicht jede leisten. Und ganz allgemein: Es muss mehr Vorbilder für Gründerinnen geben. Die Frauen, die erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut haben, müssen sichtbarer werden.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Bleibt in eurer Planung realistisch, schreibt eure Idee genau auf. Wenn man sich dann konkret an einen Business-Plan macht, merkt man sofort, wo noch Schwächen sind. Tauscht euch mit Freunden, aber auch auf Social Media oder bei Netzwerktreffen aus. Habt den Mut, Leute anzusprechen – nicht erst, wenn das Ergebnis eigentlich schon steht, sondern schon deutlich früher in diesem Gründungsprozess. Mut und Leidenschaft wird belohnt!
Was sind ihre Ziele und Pläne für die Zukunft?
Die „MachBar“ soll sich fest am Standort Lübeck etablieren. Ich freue mich da schon sehr auf die Events im Sommer! Außerdem möchte ich meine Work-Life-Balance verbessern. Ich habe zwei Kinder. Diesen Spagat hinzukriegen, ist sehr schwer und es ist eigentlich unmöglich, allem zu 100 Prozent gerecht zu werden. Da muss man Prioritäten setzen.
Protest gegen Putins Krieg

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Der Buch-Tipp

Die 22-jährige Autorin Florence Given ermutigt ihre Leserinnen, sich von gesellschaftlichen Erwartungen freizumachen. Ob es um “pretty privilege”, Selbstliebe, “Catcalling” oder Enthaarung geht, Florence Given öffnet uns die Augen darüber, wie stark das Frauenbild in unserer Gesellschaft noch immer von Oberflächlichkeit und Sexismus geprägt ist, und was das für Frauen an Einschränkungen zufolge hat. Sie geht dabei alle Themen an, die heute wichtig sind und kontrovers diskutiert werden: Rassismus, Sexismus, queere Identitäten, Body Positivity, Online-Dating und toxische Männlichkeit. Ein feministischer Ratgeber (nicht nur) für junge Frauen.
Erschienen bei KiWi-Taschenbuch, 288 Seiten, 14 Euro.
Twitter-Diskussion der Woche

Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Frauen und Kinder sind in den vergangenen drei Wochen aus der Ukraine geflüchtet; die meisten Männer sind zurückgeblieben, um zu kämpfen. Auf Twitter wird inzwischen darüber diskutiert, dass Frauen keineswegs immer in Sicherheit sind, wenn sie die Ukraine verlassen haben. Einige von ihnen werden während der Flucht Opfer sexualisierter Gewalt. Und: Auch für Männer ist es keineswegs selbstverständlich, für das eigene Land in den Krieg ziehen zu wollen.
asha hedayati
es ist schön, dass sich viele bei der aufnahme von geflüchteten engagieren, aber unbegleitete minderjährige dürfen nicht von irgendwelchen leuten mit nach hause genommen werden.für die aufnahme sind die jugendämter zuständig.das dient dem schutz der minderjährigen.
Frauenhauskoordinierung e.V.
Dass Menschen die Notlage von Frauen, die vor dem Krieg aus der #Ukraine fliehen, für #Menschenhandel und #SexualisierteGewalt ausnutzen, ist unentschuldbar. Aber aktuell eine Realität.
Bitte meldet Verdachtsfälle der Polizei oder der @bpol_b vor Ort.
https://t.co/HAWwWeqKOq
Erik Flügge
Es spricht moralisch gar nichts dagegen als junger Mann vor einem Krieg zu fliehen statt zu kämpfen. Gar nichts!

Kriege werden von alten Männern beschlossen und junge Männer sollen dafür sterben. Selbstverständlich darf man sich dieser tödlichen Logik entziehen!
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