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Boxerin Annemarie Stark: "Verliere nie dein Ziel aus den Augen"

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn ich von steigenden Infektionszahlen lesen, machen mir die Schilde
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn ich von steigenden Infektionszahlen lesen, machen mir die Schilderungen von Anngrit M. umso mehr Sorgen. Bis März führte die Bad Schwartauerin ein ganz normales Leben - dann steckte sie sich mit dem Coronavirus an. Mit den Langzeitfolgen hat die 51-Jährige bis heute zu kämpfen, die Schmerzen machen ein normales Leben unmöglich. Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat und sich dazu austauschen möchte, kann sich an meine Kollegin Maike Wegner wenden - sie hat die Geschichte recherchiert.
Außerdem habe ich mit einer Stormarnerin gesprochen, die nicht nur dem Nachnamen nach stark ist: Die Boxerin Annemarie Stark aus Reinfeld hat eine beeindruckende Karriere hingelegt, schaffte es bei der EM 2014 auf’s Treppchen. Jetzt ist sie die erste Trainerin am Olympia-Stützpunkt in Schwerin. Im Interview spricht sie über Disziplin, Vorurteile gegenüber ihrem Sport und alte Rollenbilder.
Stichwort Rollenbilder: Was wäre das Streben nach Gleichberechtigung ohne die Diskussion um geschlechtergerechte Sprache. Das Bundesjustizministerium hat mit einem Gesetzentwurf für Freude auf der einen und Empörung auf der anderen Seite gesorgt. Auf Twitter wurde natürlich fleißig mitgestritten - eine Zusammenfassung gibt es in diesem Newsletter.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihre Sophie Schade

Interview der Woche

Sie boxt sich durch: Annemarie Stark aus Reinfeld ist seit September die erste hauptamtliche Trainerin am Olympia-Stützpunkt in Schwerin. In ihrer aktiven Karriere ist die 36-Jährige mehrmals deutsche Meisterin im Halbfliegengewicht geworden und holte Bronze bei der EM 2014. 
Wie haben Sie es im Boxsport so weit gebracht?
Ganz ehrlich, mit viel Arbeit, Disziplin, Durchhaltevermögen und auch ein ganz klein wenig Zufall. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist manchmal nicht verkehrt. Aber auch dann muss man natürlich durch sein Handeln beweisen, dass der Zufall eigentlich kein Zufall war und somit hat man die Anerkennung für die geleistete Arbeit dann auch verdient.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Gestern beim Training. Aber ja, ich kenne das immer wieder. Auch bei meinem letzten Meeting in der Geschäftsstelle der AIBA oder beim Arbeiten mit dem Vorstand des Boxverbandes ist man nicht selten die einzige Frau in der Runde. Dies ist für mich aber kein Problem, ich setze mich da trotzdem immer ganz gut durch.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Ganz eindeutig die Vorurteile. Es gibt immer noch genügend Menschen, die in alten Rastern denken, und somit Frauen oft weniger zutrauen als den männlichen Kollegen. Wir Frauen müssen uns daher immer noch doppelt so stark beweisen im Gegensatz zu den männlichen Kollegen. Meine Erfahrung ist aber so, dass, wenn man sich erstmal einen starken Ruf erarbeitet hat, dieser auch gerechtfertigt ist, man die Anerkennung der Kollegen bekommt und dieser Ruf dann auch quasi in Stein gemeißelt ist.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Das kann ich ganz klar auf das Boxen beziehen. Immer wieder muss man sich anhören: “Was, du boxt? Siehst gar nicht aus wie eine Boxerin!”
Da frage ich mich immer: Wie sieht denn eine typische Boxerin in den Augen der anderen aus? Völlig verhauen, kaputte Nase, Narben im Gesicht? Wer sich mit dem Sport auskennt weiß, dass es um Technik, Taktik und Kondition geht, nicht sich sinnlos wild prügeln. 
Was sollte getan werden, damit Frauen im Sport präsenter sind?
Ich glaube man muss sich endlich von alten Rollenbildern verabschieden. Es werden in den Medien noch immer sehr stark nur ausgewählte Frauensportarten präsentiert, die in die alten Rollenbilder passen - Tennis, Schwimmen, Volleyball oder Leichtathletik - um mal ein paar Beispiele zu nennen. Dass wir auch in der ganzen Breite des Sports sehr gute und erfolgreiche Sportlerinnen haben, ist somit in der breiten Öffentlichkeit oft gar nicht präsent, was ich persönlich sehr schade finde. 
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Verliere nie dein Ziel aus den Augen. Es gibt immer mal Hindernisse, Schwierigkeiten oder Niederlagen, die einen vielleicht auch zweifeln lassen. Lass dich nicht beirren, ziehe deine Lehre daraus und gehe so gestärkt deinen Weg weiter!
Welche Frau war Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Nein. Ich habe keine direkten Vorbilder oder Idole, denen ich nachgeeifert habe. Ich bin immer nur meinen eigenen Vorstellungen und Zielen treu geblieben und habe so meinen eigenen Weg gefunden.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Och, da gibt’s noch so einiges. Mit meiner aktive Karriere in der Nationalmannschaft ist zum Ende diesen Jahres Schluss. Für meinen Verein, den Boxclub Lübeck, werde ich aber sicher noch den ein oder anderen Kampf bestreiten, also die Handschuhe noch nicht ganz an den Nagel hängen. 
Im September habe ich am Olympiastützpunkt Schwerin eine Trainerstelle angetreten. Das Angebot habe ich sehr gern angenommen! Dort kann ich erste Trainererfahrungen sammeln um dann in Zukunft im DBV meinen Platz zu finden.

Boxerin Annemarie Stark
Boxerin Annemarie Stark
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Twitter-Diskussion der Woche

“Referentenentwurf des Gesetzes zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts” - klingt dröge, aber dieser Gesetzentwurf hat in der vergangen Woche die Diskussion um gendergerechte Sprache neu angefacht. Der Text ist, anders als bei juristischen Texten in Deutschland üblich, fast durchgängig im generischen Femininum verfasst. Dieser Vorstoß vom Bundesjustizministerium wurde auf Twitter sehr kontrovers diskutiert.
Prof. Dr. Maria Wersig
Aufregung um Gesetzentwurf des @BMJV_Bund in weiblicher Form? Es ist Zeit etwas zu ändern, zumal der männlich konnotierte Sprachgebrauch (gerade in Gesetzen) aus der jahrhundertelangen gesellschaftlichen & rechtlichen Unterdrückung von Frauen resultiert. #liebergleichberechtigt
Anna Schneider
Die Sexualisierung der Sprache durch die Einführung des generischen Femininums würdigt Frauen herab, weil sie dadurch auf ihr Geschlecht reduziert werden. Sprache hat keine Meinung, Menschen schon. Und die ändert man durch kein „-Innen“ der Welt.

https://t.co/j6C8efDuyT
Tilmann Warnecke
Die „Empörung“ über das generische Femininum zeigt vor allem, dass auch das generische Maskulinum wohl kaum so neutral und diskrimierungsfrei ist wie seine Verteidiger behaupten 🤷‍♀️ https://t.co/qnTjiM6uLl
Alle Hintergründe zur Debatte lesen Sie hier:
Erfolg für Frauenbewegung? Ministerium schreibt Gesetz im Femininum
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Geburtstag in Schlutup: Lübeckerin wird 101 Jahre altz
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