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Dr. Ulla Hingst: "Tratschen können die Männer mindestens genauso gut"

Liebe Leserinnen, liebe Leser, ob Fußball, Dressurreiten oder Golf: Junge Sportlerinnen aus dem Norde
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ob Fußball, Dressurreiten oder Golf: Junge Sportlerinnen aus dem Norden zeigen gerade, was in ihnen steckt. Wir haben die Nachwuchstalente getroffen, ihre Geschichten finden Sie im Sportteil dieses Newsletters.
Dr. Ulla Hingst hat als Oberstaatsanwältin und Pressesprecherin des Landgerichts Lübeck schon viele spektakuläre Verhandlungen miterlebt. Im Interview spricht sie über ihre Karriere als Juristin, welche Klischees über Frauen sie nicht mehr hören möchte und wer ihr persönliches Vorbild ist.
Zum Schluss ein Spendenaufruf: Die 14-jährige Caesy hat Epilepsie. Ein Warnhund könnte ihr dabei helfen, ein halbwegs normales Leben zu führen. Aber: So ein gut ausgebildetes Tier ist teuer. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihre Sophie Schade

Interview der Woche

Dr. Ulla Hingst ist Oberstaatsanwältin und Pressesprecherin am Landgericht Lübeck. Seit über 15 Jahren ist sie in diesem Job nahezu täglich mit Verbrechen und menschlichen Abgründen konfrontiert. In ihrer Dissertation hat sie sich mit den “Auswirkungen der Globalisierung auf das Recht der völkerrechtlichen Verträge” beschäftigt.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich bin seit Ende 2003 Staatsanwältin in Lübeck. Mai 2013 bis Mai 2014 bin ich zur Generalstaatsanwältin in Schleswig abgeordnet gewesen. Diese sogenannte Erprobung ist Voraussetzung dafür, befördert zu werden. Ende 2015 bin ich zur Oberstaatsanwältin ernannt worden, seit Juni 2016 bin ich Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck und seit einem Jahr leite ich die Abteilung für Kapitaldelikte (das heißt Tötungsdelikte), Sexualstraftaten und andere Sondersachen. 
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht so genau sagen. Frauen sind in der Justiz – bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften – stark vertreten. In Lübeck haben wir seit diesem Jahr erstmals mehr als 50% Staatsanwältinnen. Daher ist es relativ selten, dass ich als einzige Frau in einer Runde sitze.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Es sind nun einmal die Frauen, die die Kinder zur Welt bringen. Dies bedeutet für Frauen, dass sie ihre Karriere noch stärker planen müssen als Männer. Es ist festzustellen, dass es – in meinem Arbeitsumfeld – weiterhin überwiegend die Frauen sind, die wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit arbeiten und sie dabei zugunsten der Kinder und der Familie bereitwillig Zugeständnisse an ihr Fortkommen machen. 
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Bei mir sind es weniger Sprüche als bestimmte Worte oder Attribute, die in Bezug auf Frauen verwendet werden, die ich klischeehaft und schwer zu ertragen finde: Die Bezeichnung von Frauen als „Mädchen“ (gerne mit leicht herablassendem oder väterlichem Ton), dass Frauen ständig tratschen (das können die Männer mindestens genauso gut) oder nicht in der Lage sind, sich kurz zu fassen (es gibt gleichermaßen viele Männer, die nicht auf den Punkt kommen). 
Was sollte getan werden, damit Frauen in den Gerichten und Anwaltskanzleien präsenter sind?
Zur Anwaltschaft kann ich schlecht etwas sagen. Bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften sind Frauen, wie bereits dargestellt, bereits sehr stark vertreten. 
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben? 
Ihr müsst nicht perfekt sein. Fehler zu machen, ist keine Schande. Entscheidend ist, dass man aus ihnen lernt und daran reift. 
Welche Frau war ihr Vorbild, ihre Inspiration?
Vor der Lebensleistung der amerikanischen Richterin am Supreme Court der USA, Ruth Bader Ginsburg, habe ich enormen Respekt. Ihr Zitat „Women belong in all places where decisions are being made. It shouldn’t be that women are the exception.“ hat bis heute an Aktualität nicht verloren. Ich habe aber keine konkrete Person als Vorbild. Allgemein nehme ich mir gerne ein Vorbild an anderen Menschen in Bezug auf bestimmte Dinge, die diese besser machen als ich.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Mir macht die Position, die ich derzeit innehabe, sehr viel Freude, von daher spüre ich aktuell keinen Veränderungsdruck. Mal schauen, was sich noch so ergibt. Ich bin gespannt!

Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst
Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst
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Twitter-Diskussion der Woche

Eine Nominierung, die vielen Frauen(-rechtlerinnen) große Sorgen macht: Donald Trump hat Amy Coney Barrett als Nachfolgerin für Ruth Bader Ginsburg am Supreme Court nominiert. Die 48-Jährige ist für ihre erzkonservativen Positionen bekannt. Unter anderem wird befürchtet, dass sie das Abtreibungsrecht verschärfen wird.
Louise Knott Ahern
Ruth Bader Ginsburg is going to be replaced by a woman who walked through every door that Ginsburg opened for her so she can promptly use her position to shut them all for others behind her.
Frau Büüsker
Frauen in Machtpositionen, die diese ohne die Emanzipation niemals hätten erreichen können und die ihre Macht dafür nutzen, die Rechte von Frauen (und LGBTQI) einzuschränken.
Es ist schwer zu ertragen.
Der Podcast-Tipp

Niederdeutsche Bühne Lübeck: Podcast auf Plattdeutsch
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