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Eva Almstädt: "Chancen für Krimiautorinnen waren nie besser"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Coronakrise hat sich enorm auf das Zusammenleben mit unseren liebsten Menschen ausgewirkt: Paare und Familien haben zwangsläufig mehr Zeit gemeinsam zu Hause verbracht - auf mehr oder weniger engem Raum, mit den Sorgen und Ängsten, die einen in einer Pandemie umtreiben. Die Möglichkeiten, einen Ausgleich zum Alltag zu finden, waren auf einmal sehr eingeschränkt. Frauenberatungsstellen äußerten schnell Sorgen, dass es zu einem Anstieg häuslicher Gewalt kommen könnte und Frauenhäuser bald überfüllt wären.
In eben dieser Zeit muss das Autonome Frauenhaus Lübeck um seine Finanzierung kämpfen: Unter anderem sollen Mietkostenzuschüsse begrenzt werden. In einem offenen Brief kritisierten die Mitarbeiterinnen die Kieler Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Auf zwei Demonstrationen in der Landeshauptstadt stritten die Teilnehmenden für eine bessere Unterstützung der Frauenhäuser. Mein Kollege Kai Dordowsky hat recherchiert, welche Streitpunkte außerdem eine Rolle spielen.
Neben der Coronakrise drehen sich die Nachrichten dieser Tage um den Nahost-Konflikt - ein Drama, das auch das Theater Lübeck beschäftigt. In dem neuen Stück „Vögel“ geht um Israel und die arabische Welt, um eben jene Tragödie, die seit gut 70 Jahren auf der Weltbühne aufgeführt wird. Zum Ensemble gehört die Palästinenserin Lamis Ammar. Mit meinen Kollegen aus der Kulturredaktion hat sie über ihren Lebensweg gesprochen.     
Ich wünsche Ihnen ein schönes Frühlingswochenende,
Ihre        
Interview der Woche

In ihrer Krimi-Reihe rund um die Kommissarin Pia Korittki stehen Lübeck und die Lübecker Bucht als Orte des Verbrechens im Mittelpunkt: Die Schriftstellerin Eva Almstädt hat sich seit 2004 als erfolgreiche Romanautorin etabliert. Vorher hat sie nach einer handwerklichen Ausbildung im Studio Hamburg Innenarchitektur in Hannover studiert und war in der Küchen- und Wohnraumplanung tätig. Heute lebt sie in Bargteheide. Ihr neuster Krimi „Ostseefalle“ erschien im März 2021 im Lübbe Verlag.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich wollte schon als Schülerin unbedingt Autorin werden. Nach dem Abi hatte ich allerdings nicht den Mut, das sofort umzusetzen. Wahrscheinlich hätte mir zu dem Zeitpunkt auch die nötige Lebenserfahrung gefehlt. So habe ich zunächst etwas „Solides“ gelernt (Raumausstatterin) und etwas „Kreatives“ studiert (Innenarchitektur). Mit Mitte dreißig habe ich mein Berufsziel Autorin dann ernsthaft in Angriff genommen. Ich habe meinen gefühlt hundertmal überarbeiteten Krimi an so ziemlich alle Verlage geschickt, die deutschsprachige Krimis veröffentlichen. Es gab zu der Zeit zwar schon Literaturagenturen, aber die waren noch nicht so stark im Geschäft wie heute. 
Es kamen auch viele Absagen, aber es haben sich damals drei Verlage für meinen Erstling „Kalter Grund“ interessiert. Ich habe mich dann für den Bastei Lübbe Verlag entschieden und das nie bereut. Mit der Lektorin, die meinen Krimi aus dem Stapel unverlangt eingereichter Manuskripte gefischt hat, arbeite ich heute noch toll zusammen. Seitdem sind 20 Krimis von mir im Lübbe Verlag erschienen, und die letzten landeten alle unter den ersten zehn auf der Spiegelbestsellerliste.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Zuletzt während meiner Ausbildung in einer Werkstatt mit etwa zwanzig Kollegen. Das hatte Vor- und Nachteile. Auf jeden Fall war es eine spannende Zeit, an die ich mich beim Schreiben manchmal erinnere.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Es ist immer noch ein Drahtseilakt, Kinder und Berufstätigkeit gut miteinander zu vereinbaren. Das gilt für Frauen und Männer, die sich um Kinder und Haushalt kümmern wollen, sicher gleichermaßen. Die Rollenbilder in unseren Köpfen zu hinterfragen und möglicherweise zu ändern, ist wohl die eigentliche Herausforderung.
Was sollte getan werden, damit weibliche Stimmen in der Literatur präsenter sind? Was hat sich in diesem Punkt vielleicht in den vergangenen Jahren auch verändert?
Wenn sich in Jurys, die Literaturpreise vergeben und unter Journalisten und Journalistinnen, die über Krimis schreiben, in etwa gleich viele Frauen wie Männer befinden, sind wir auf dem richtigen Weg. Es hat sich in den vergangenen Jahren schon viel getan, was nicht heißt, dass sich nicht noch mehr verändern sollte … Aber die Chancen für Frauen, sich im Krimigenre zu etablieren, waren wohl nie besser als heute.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Habt große Ziele! Traut euch was zu.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Im Grunde bewundere ich alle Frauen, die unbeirrt, kreativ und diszipliniert ihren eigenen beruflichen Weg gehen und gegangen sind.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Noch viele Krimis schreiben und irgendwo ein Häuschen ausbauen und dort leben, wo öfter die Sonne scheint.
Autorin Eva Almstädt (Foto: Lutz Roeßler)
Autorin Eva Almstädt (Foto: Lutz Roeßler)
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Der Buchtipp

In “Mädchen, Frau etc.” verwebt Bernardine Evaristo die Geschichten schwarzer Frauen über ein Jahrhundert zu einem vielstimmigen Panorama unserer Zeit. Ein Roman über Herkunft und Identität, der daran erinnert, was uns zusammenhält.
Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben.
Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden.  
Erschienen im Tropen-Verlag, 512 Seiten, 25 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, weil sie eben auch tendenziell schlechter bezahlte Berufe ergreifen, heißt es oft. Auf Twitter wurde diese Studie aus den USA diskutiert, die zeigt, dass die Dynamik unter Umständen andersherum funktioniert.
Elisabeth Wagner
Frauen verdienen weniger als Männer, weil sie sich für schlechter bezahlte Berufe entscheiden? Sie sollten einfach besser bezahlte Jobs wählen? Das ist zu kurz gedacht - Studien zeigen:

Berufe sind oft schlecht bezahlt, WEIL sie hauptsächlich von Frauen gemacht werden. (swipe)
Elisabeth Wagner
Eine Studie, die US Census Data von über 50 Jahren auswertete, zeigte, dass die Bezahlung zu sinken beginnt, wenn Frauen in großer Anzahl in ein von Männern dominiertes Berufsfeld eintreten. Außerdem verliert der Beruf an „Prestige“. Beispiele: Sekretär*innen, Lehrer*innen, etc.
Elisabeth Wagner
Natürlich gibt es noch andere Faktoren, die zum Gender Pay Gap beitragen, aber diese Daten zeigen klar, dass es hier auch ein strukturelles Problem gibt und dass der Arbeit von Frauen oft weniger Wert beigemessen wird als der von Männern.
Tobias
Interessant, aber erschreckend. Was hilft? Transparenz in der Vergütung? Diskriminierungsverbot in der Bezahlung? Tarifverträge? https://t.co/MAsEe2eOqL
Omar Adam Ayaita
Ein wichtiges Argument dafür, nicht nur den bereinigten #GenderPayGap zu betrachten: Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, werden meist schlechter bezahlt. Dieser Aspekt der #Diskriminierung wird nicht sichtbar, wenn nur innerhalb von Berufen Frauen und Männer verglichen werden. https://t.co/nsUs1grlnp
Das Beste zum Schluss: Ein spätes Dankeschön

Überraschung in Lübeck: Warum sich ein Mann mit 50 Euro bei Bäckerin bedankte
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