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Franziska Wildfeuer: "Schiedsrichten ist eine gute Schule fürs Leben"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
lange haben sich die Grünen Zeit gelassen mit ihrer Entscheidung, wen sie zur Bundestagswahl ins Rennen um das Kanzleramt schicken. Die Entscheidung ist auf Annalena Baerbock gefallen, sie hat sich gegen den geborenen Lübecker Robert Habeck durchgesetzt. Wäre die Wahl auf ihn gefallen, hätten sich die Grünen durchaus fragen lassen müssen, warum jetzt auf einmal doch der Mann den Vortritt bekommt, wo die Grünen laut Umfragen zum ersten Mal Chancen auf das Kanzleramt haben - als Partei, die sich selbst als feministisch bezeichnet und laut Wahlprogramm “Queerpolitik und Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus” rücken möchte. Damit bewirbt sich jetzt neben zwei Männern um die 60 mit erwachsenen Kindern eine 40-jährige Frau und Mutter von zwei kleinen Töchtern um das Amt der Regierungschefin. Ob sich das auf die Wahlentscheidung insbesondere von Eltern im Land auswirkt, die nach über einem Jahr zwischen Homeschooling und Erbwerbsarbeit längst am Ende ihrer Kräfte sind? Oder der Erstwählerinnen, deren Sorgen und Nöte in der Corona-Politik oft untergehen?
Der September wird mit Sicherheit spannend. Genauso gespannt bin ich aber auch auf die Zeit danach: Wird die Kandidatur von Annalena Baerbock dazu führen, dass mehr junge Frauen den Schritt in die Politik wagen? Die allermeisten Gremien und Parlamente sind noch weit davon entfernt, paritätisch besetzt zu sein. Politikerinnen aus dem Herzogtum Lauenburg haben mir erzählt, warum: In den vergangenen Jahren hätte sich zwar einiges vorwärts bewegt, aber zum Beispiel Ausschusssitzungen spät am Abend würden es jungen, berufstätigen Müttern eben schwermachen, sich in der Politik einzubringen. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.
Interview der Woche

VfB Lübeck goes FIFA: Seit 2021 vertritt Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer die Hansestadt im Weltfußballverband. Seit 2011 war sie DFB-Schiedsrichterin, leitete ab 2017 Spiele in der Frauen-Bundesliga. Im selben Jahr wurde sie in Schleswig-Holstein zur Schiedsrichterin des Jahres gewählt.
FIFA-Schiedrichterin Franziska Wildfeuer (Foto: Garve/Agentur 54°)
FIFA-Schiedrichterin Franziska Wildfeuer (Foto: Garve/Agentur 54°)
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich bin durch ganz viel Fleiß, Disziplin und Trainingsehrgeiz FIFA-Schiedsrichterin geworden. Meine jahrelange Fußballaffinität und die Zeit als aktive Fußballerin haben mich gut auf diese Aufgabe vorbereitet.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Beim Schiedsrichtertraining des KFV Lübeck.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Ich sehe da keine anderen Herausforderungen als auch für die Männer. Im Prinzip zählt die Leistung und nicht das Geschlecht.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
“Bekommen Sie oft einen Spruch gedrückt, weil Sie eine Frau sind?” Die Antwort lautet immer: Nein!
Was sollte getan werden, damit Frauen im Sport und im Fußball speziell auch als Schiedsrichterinnen noch präsenter sind?
Es ist immer typabhängig und eine Frage der individuellen Prioritätensetzung. Generell wünsche ich mir, dass immer mehr Mädels den Mut haben, in die Schiedsrichterei reinzuschnuppern, weil es eine sehr gute Schule fürs Leben ist.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Sei selbstbewusst, versteck dich nicht, besinne dich immer auf deine Stärken und arbeite an deinen Schwächen!
Welche Frau war Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Ein richtiges Vorbild hatte ich nie. Auf meinem Weg als Schiedsrichterin habe ich mir stets positive Eigenschaften vieler anderer Kollegen abgeguckt und das auf- und angenommen, wovon ich glaubte, dass es gut zu mir passt.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich möchte mich perspektivisch mehr für die Schiedsrichtergewinnung einsetzen. Und darüber hinaus steht natürlich auch meine persönliche Weiterentwicklung als Schiedsrichterin im Fokus. Grundsätzlich setze ich mir regelmäßig Ziele und versuche dann, diese auch zu erreichen. 
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Der Buchtipp

Svenja Gräfen hielt Self-Care lange für egoistisch, unsolidarisch und allem voran für ein falsches Versprechen der milliardenschweren Wellness-Industrie. Höchste Zeit für ein Update: Denn eigentlich ist Selbstfürsorge weder Produkt noch Luxus, sondern zugänglich für jede*n und eine Basis, um auch für andere da sein zu können. In diesem Buch erzählt die Autorin von eigenen Strategien und Erfahrungen. Sie macht deutlich, warum Self-Care gerade jetzt so wichtig ist – und weshalb Selbstfürsorge und Feminismus einander nicht widersprechen, sondern sogar zusammengehören.
Erschienen bei Eden Book, 208 Seiten, 15 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Die Grünen ziehen mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Sie ist bei der Bundestagswahl im September die einzige Frau, die sich Hoffnungen auf das Amt der Regierungschefin machen darf. Noch dazu ist sie die bislang jüngste Anwärterin für diese Aufgabe und - oh Schock! - zweifache Mutter. Ist die Frau überhaupt gewappnet für so eine große Aufgabe? Die besten Tweets zu den Doppelstandards, die (nicht nur) in der Politik angesetzt werden.
Der Adler
Wo ist denn das Problem, dass Annalena Baerbock Vollzeit Bundeskanzlerin ist?

Ihr Mann kann doch halbtags arbeiten und die Kinder betreuen.
Alex
Matthias war 8 Jahre alt, als sein Vater Willy Brandt Bundeskanzler wurde.

Weiß niemand? Interessiert niemanden? Eben.
Jim x Tonic
Nur weil Männer jetzt auch Kanzlerin werden wollen, sollten wir nicht gleich das Wort ändern.

Ich habe schon immer Kanzlerin gesagt und das bleibt auch so.

Die sind da mitgemeint.
Max Bunse
Zwei Stunden (!) nachdem Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin ernannt wurden, ist Robert Habeck zur ZEIT gelaufen und hat sich ausgeweint und sich direkt für ein Ministeramt ins Gespräch gebracht.
Da ist aber ein ziemlicher Kratzer im Ego-Lack.
Kathrin Müde Weßling
Hoffentlich kann Laschet Familie und Beruf unter einen Hut bringen, aber er ist ja ein echter Powermann 🤞
teresa bücker
Ich interpretiere die Frage danach, wie eine Mutter die Aufgaben einer Kanzlerin mit ihrer Familie vereinbaren würde, als Selbstaussage der Fragestellenden, die offenbar davon ausgehen, dass Mütter allein für alles zuständig sind. Soll ja Paare geben, die das besser hinkriegen.
Christopher Lauer
Wir haben in den letzten Tagen halt auch leider sehen müssen, dass die Kanzlerinnenkandidatur für Männer nichts ist, weil die viel zu emotional sind. #Baerbock
Annalena Baerbock im RND-Interview:
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Das Beste zum Schluss: Der Spieltipp

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