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Frauen im Olymp

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LN – Die Newsletterin

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich sage es ganz offen: Ich habe keine guten Erinnerungen an den Sportunterricht in meiner Schulzeit. Ich renne nicht besonders schnell oder springe besonders hoch. Das kann einem schnell die Freude am Sport verderben. Mit Blick auf den Spitzensport stellt sich die Frage, ob Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Zeiten einer Pandemie wirklich stattfinden müssen oder ob sie vor allem deshalb ausgetragen werden, weil Werbepartner auf entsprechende Einnahmen setzen.
Dann wiederum haben vor allem die Sportlerinnen in den vergangenen Tagen einzigartige Geschichten zu erzählen: Sei es die Dassowerin Lea Sophie Friedrich, die eine Silbermedaille aus den Bahnrad-Wettbewerben in den Norden geholt hat. Oder die US-amerikanische Geräteturnerin Simone Biles, die die Diskussion um mentale Gesundheit im Leistungssport mehr denn je in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hat. Die Details lesen Sie weiter unten im Newsletter in der Twitter-Diskussion.
Was mich als Reiterin besonders glücklich gemacht hat: Erst waren die deutschen Dressurreiterinnen höchst erfolgreich unterwegs und haben zweimal Gold geholt. Die Krönung kam dann aber beim Vielseitigkeitsreiten: Julia Krajewski holte nach einer durchaus schwierigen Saison mit ihrer Stute “Amande de b'Neville” (kurz: “Mandy”) als erste Frau der Olympia-Geschichte Einzel-Gold in dieser Disziplin.
Haben Sie die Olympischen Spiele verfolgt? Wie ist ihr Bauchgefühl bei solchen sportlichen Großevents in Pandemie-Zeiten? Schreiben Sie mir gern eine Mail!
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!
Ihre
Interview der Woche

Maria Paz Caraccioli Gutierrez (Foto: Garve)
Maria Paz Caraccioli Gutierrez (Foto: Garve)
Eine Wienerin in Lübeck und eine Kämpferin für Kulturschaffende: Maria Paz Caraccioli Gutierrez ist 42 Jahre alt, hat die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Chile gelebt und ist dann in Wien aufgewachsen. Nach der Schule studierte sie Musik, Kulturmanagement und Kommunikation, machte sich selbstständig und arbeitete in Wien zunächst für eine Plattenfirma, bevor sie zu einer Jazz-Agentur nach Bayern wechselte. 2018 hat sie dann ein Job bei der Kulturwerft Gollan nach Lübeck verschlagen. Dann kam Corona - und plötzlich sah es für alle Kulturschaffenden ganz düster aus. Mit der Initiative “Ohne Kunst und Kultur wird’s still” will sie die Branche wieder ins Rampenlicht bringen. 
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie jetzt sind?
Meine Eltern haben in Wien einen Jazzclub betrieben. Ich bin also mit Musik und Kunst großgeworden. Kunst ist mein Lebenselixier. Jetzt in der Coronakrise wollte ich nicht weiter dabei zusehen, dass die Wertschätzung für Kultur einfach nicht da ist. Es heißt immer, die Kultur wäre wieder geöffnet, aber das stimmt nicht und wird sich auch bis nächstes Jahr nicht ändern. In die meisten Spielstätten dürfen, wenn sie denn geöffnet sind, nur die Hälfte der Zuschauer kommen.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Das war oft der Fall, als ich noch im Agenturwesen gearbeitet habe. Ich hatte immer das Gefühl: Die Männer sitzen in den Spitzenpositionen, arbeiten tun die Frauen.
Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen in der Kulturbranche?
Es ist manchmal immer noch ein Kampf. Gerade Musikerinnen haben viel weniger Präsenz als ihre männlichen Kollegen. Es ist für sie schwierig, Fuß zu fassen. Das liegt aber auch an der Bezahlung: Die ist in der Kultur allgemein nicht gut und für Frauen nochmal schlechter.
Welche Sprüche können Sie nicht mehr hören, weil sie voller Klischees sind?
Es sind weniger konkrete Sprüche, als ein bestimmtes Verhalten. Oft werden Frauen in solchen Männerrunden einfach ausgebootet. Und wir werden immer noch oft auf Äußerlichkeiten reduziert.
Was sollte getan werden, um Frauen in der Kultur präsenter zu machen?
Das größte Problem ist - unabhängig vom Geschlecht - die Bezahlung. Oft können wir Kulturschaffenden von unseren Gehältern nicht leben. Sorgearbeit braucht eine monetäre Wertschätzung. Ansonsten können Veranstalter darauf achten, welche Künstler oder Bands sie einladen. Je mehr vorrangig weibliche Bands spielen dürfen, desto präsenter werden Musikerinnen.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Seid mutig, selbstbewusst und lasst euch nicht unterkriegen. Man bekommt in der Kultur so viel Seelenfrieden zurück, wenn man sieht, dass das Publikum von der Kunst oder der Musik berührt ist - dafür lohnt es sich, immer wieder aufzustehen.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Meine Mutter. Sie ist mit 27 Jahren allein ausgewandert, ohne die Sprache zu können. Sie hat in der Gastronomie gearbeitet und hatte unterschiedliche Betriebe und eben auch den Jazzclub und sich so aus eigener Kraft ein Leben in einem anderen Land aufgebaut.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass alles wieder gut wird. Unsere Initiative hat gezeigt, dass man aus seiner eigenen, kleinen Bubble heraus viel bewirken kann. Wir sind nicht nur kleine Rädchen im System. Jetzt heißt es: Impfen lassen und die Kultur wieder sichtbarer machen. Neben der Arbeit für “Ohne Kunst und Kultur wird’s still” suche ich tatsächlich einen Job.
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Der Buchtipp

Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und immer größer werdenden öffentlichen Protesten gegen die Geschlechterungleichheit noch immer vom Gender Pay Gap, der Sehnsucht nach dem perfekten Bikinibody und Mansplaining definiert. “The future is female! Was Frauen über Feminismus denken” ist ein Buch für Mädchen und Frauen, die sich mit diesem ungenießbaren Cocktail nicht länger zufriedengeben wollen, eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung. Frauen von der Hollywood-Ikone bis zur Teenie-Aktivistin erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte; alle Geschichten zusammengenommen entwickeln eine Kraft, die die alte Welt aus den Angeln heben kann und dem F-Wort einen ganz neuen Glanz verleiht. Der Feminismus von heute definiert sich über das Dafür und Miteinander und nicht ewig gestrig über das Dagegen, er ist eine unwiderstehliche Notwendigkeit – und jede Einzelne gehört dazu.
Herausgeberin von »The future is female« ist die britische Style-Kolumnistin und Pink-Protest-Gründerin Scarlett Curtis. Die Essays kommen unter andrem von Emma Watson, Keira Knightley, Katrin Bauerfeind und Tijen Onaran. 
Twitter-Diskussion der Woche

Sie hat sich für etwas stark gemacht, was wichtiger ist als Medaillen, Ruhm und Ehre: Simone Biles gehört zur Top-Riege der US-Turnerinnen und sollte ihrem Team auch bei den Olympischen Spielen in Tokio gute Ergebnisse bescheren. Aber es kam anders: Nach einem Patzer gleich zu Beginn des Mannschafts-Finals strich sie ihre Teilnahme an vier von fünf noch ausstehenden Finals - aus Rücksicht auf ihre mentale Gesundheit. Erst beim Finale am Schwebebalken trat sie wieder an. Die Entscheidung, sich auf ihre mentale Gesundheit zu konzentrieren, fand auf Twitter sehr viel Zuspruch.
Klaas
Die Offenheit von Naomi Osaka und Simone Biles ist bemerkenswert. Hoffentlich gibt es für sie persönlich schnell Besserung. Das Zeichen und die Aufgabe für den Leistungssport sich besser um die mentale Gesundheit der Sportler:innen zu kümmern, ist riesig.
Theresa Bäuerlein
"Das zu tun, was ich liebe, wurde mir irgendwie genommen, um anderen Menschen zu gefallen", sagte @Simone_Biles, als sie die olympischen Spiele aufgab.

Die beste Turnerin der Welt wagt es, Gesundheit und Freude vor den Erfolg zu stellen. Was bedeutet das für den Rest von uns?
Eva 🏳️‍🌈
Simone Biles schafft da grade etwas, was nicht höher zu bewerten ist.
Mentale Gesundheit ist wichtiger als jede Medaille.
Das ist so wichtig.
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