Profil anzeigen

Gudrun Köhler: "Frauen müssen sich aufeinander verlassen können"

LN – Die NewsletterinLN – Die Newsletterin
LN – Die Newsletterin
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Städte im Norden erstrahlen allabendlich im Glanz der Weihnachtsbeleuchtung, im Radio läuft ein Weihnachtslied nach dem anderen und vielleicht haben Sie schon die ersten Plätzchen gebacken. Trotzdem will bei mir in diesem Jahr (noch) keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Es ist eben schwierig, Zeit und Ruhe für Besinnlichkeit zu finden, wenn man seit fast einem Jahr mit einer Pandemie konfrontiert ist und ständig neue beunruhigende Nachrichten auf dem Smartphone aufploppen.
Deshalb gibt es in dieser Ausgabe der “Newsletterin” eine Rubrik mit guten Nachrichten: Seien es die Schwestern aus Bad Oldesloe, die mit ihrem Unverpackt-Marktwagen ab Januar den Norden erobern möchten. Oder die Auszeichnung für die Lübecker “Omas gegen Rechts” für ihre Zivilcourage. Oder die junge Zahnmedizin-Studentin, die eine Behandlungsmethode für besonders ängstliche Patienten entwickelt. Und selbst zum Thema Corona gab es in dieser Woche gute Nachrichten: In Großbritannien haben die Impfungen begonnen. All diese Geschichten sind Lichtblicke zwischen all den deprimierenden Nachrichten und machen Mut, dass auch wieder bessere Zeiten kommen.
Die “Newsletterin” geht jetzt in eine kleine Weihnachtspause. Am 8. Januar erwartet Sie dann die erste Ausgabe 2021 in ihrem E-Mail-Postfach. Bis dahin: Genießen Sie die Adventszeit mit den schönsten Weihnachtsfilmen - wo Sie die streamen können, lesen Sie hier - und leckerem Gebäck. Ich wünsche Ihnen schon jetzt ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr - auf dass es mehr erfreuliche Nachrichten für uns bereithält als 2020.
Bleiben Sie gesund!

Interview der Woche

Lübeck ist ihre Heimatstadt - und von hier aus hat Gudrun Köhler schon die halbe Welt bereist, um immer wieder zurückzukommen und ihre Anker auszuwerfen. Seit 2019 ist sie Präsidentin des “Soroptimist International Club Lübeck - Bad Schwartau”, der mit leuchtenden Schuhen vor dem Holstentor auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht hat. Hauptberuflich macht sie Öffentlichkeitsarbeit für die kommunale Initiative “Lernen vor Ort”
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Mich sprach vor 24 Jahren eine sehr engagierte Netzwerkerin an, ob ich nicht Lust hätte, mich in einem Club von berufstätigen Frauen einzubringen und diesen Kreis altersmäßig zu verjüngen. Ich habe das sehr gern gemacht, denn ich fand es schon immer spannend mit verschiedenen Professionen zusammenzukommen. In unserem SI Club „Lübeck / Bad Schwartau“ übernimmt alle zwei Jahre eine andere Clubschwester die Position der Präsidentin und dann war mir in 2019 klar, dass ich jetzt dran bin und meine Ideen für 2 Jahre einbringen möchte.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Ich bin beruflich als PR-Managerin einer Reederei nur selten in reinen Herrenteams, manchmal jedoch auf den Fährschiffen mit den Offizieren. Generell habe ich in meinem Umfeld jedoch gut gemischte Teams. Allerdings muss ich sagen, dass ich unsere Clubarbeit ausschließlich mit Frauen sehr schätze und sehr angenehm finde.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es immer noch Männer gibt, die im Zweifelsfall lieber Männer einstellen, um die eigene Kommunikation und Zusammenarbeit zu vereinfachen. Hier haben Frauen dann nahezu unüberwindbare Hindernisse zu meistern. Die (jungen) Frauen, die sich hier erfolgreich behaupten, haben meine ganze Anerkennung. Ansonsten müssen sich die Frauen in jedem Alter und jeder Position einfach mehr zutrauen und sich vielmehr gegenseitig aufeinander verlassen können.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Da mein berufliches Umfeld relativ jung ist, kann ich nicht sagen, dass ich nervige Klischees höre. Wie schön, dass mir dies durch Ihre Frage erst bewusst wurde.
Was sollte getan werden, damit Frauen noch erfolgreicher im Beruf sind?
Frauen müssen sich gegenseitig voll unterstützen und voran bringen! Und weil das insbesondere für junge Frauen am Anfang der Karriereleiter sehr wichtig ist, gibt es bei Soroptimist International das SI-Mentoring-Programm. Hier werden seit 2002 eine erfahrene Führungsfrau als Mentorin und eine Mentee gematched, um in Tandemarbeit die Entwicklung und Erreichung der beruflichen Ziele zu begleiten. Diese einjährige, intensive Begleitung gibt oft die Sicht frei auf alternative Gestaltungsmöglichkeiten von Karriere und Lebensweg.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Denkt das Berufsleben von hinten! Wo wollt ihr mal beruflich stehen? Welcher Weg könnte dahin führen? Lasst euch nicht zu sehr von euren Emotionen leiten. Ihr könnt alle eure Wünsche erfüllen! Bleibt mutig dran!
Welche Frau war Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Es gab in meinen Lebensphasen verschiedene, meist ältere Frauen, die mir zeitweise ein Vorbild waren oder die mich inspirierenden konnten. Sehr gerne schaue ich BioPics von spannenden Frauen, weil die Lebensgeschichte von Frauen aus der Vergangenheit so viel Mut geben kann. Zuletzt beeindruckte mich die Lebensgeschichte von Aino Aalto, der ersten Frau des finnischen Architekten, die in den 1920er und 30er Jahren sehr selbstverständlich Design entwickelte, dessen Form heute noch wunderschön ist.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich bin noch ein Jahr Präsidentin unseres Clubs und möchte unter anderem unser Engagement der Orange Days über die jetzt vergangenen 16 Tage hinaus weiterentwickeln. In Sachen Häuslicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen gibt es auch für Lübeck sehr viel zu tun. Gerade jetzt machen wir aufmerksam auf die 588 amtlichen Fälle von Partnerschaftsgewalt an Frauen und wollen dieser Zahl und den dahinter stehenden Frauenleben Aufmerksamkeit schenken. Dazu wollen wir uns nach unseren Möglichkeiten einbringen, damit betroffene Frauen den Mut finden, ein Leben in Gewalt verlassen zu können, angehört zu werden und neu beginnen zu können.

Gudrun Köhler, Präsidentin des "Soroptimist International Club Lübeck - Bad Schwartau"
Gudrun Köhler, Präsidentin des "Soroptimist International Club Lübeck - Bad Schwartau"
Der “Soroptimist International Club Lübeck - Bad Schwartau” bietet ein umfangreiches Mentoring-Programm für Frauen im Berufsleben an. Wenn Sie daran oder an dem Verein allgemein Interesse haben, lohnt ein Blick auf die Homepage: www.soroptimist-luebeck.de
Unser Blick in die Region

Ostholsteins SPD wählt Kandidatin für Bundestag in einer Sporthalle
Chor aus Bad Schwartau singt für Senioren
Die guten Nachrichten

Oldesloerinnen wollen mit Unverpackt-Marktwagen den Norden erobern
Für Zivilcourage: Zentralrat der Juden zeichnet „Omas gegen rechts“ aus
Greifswalder Studentin aus SH will es Angstpatienten auf dem Zahnarztstuhl leichter machen
Unser Blick in die Kultur

Possehl-Musikpreis: Lübecks beste Nachwuchstalente heißen Ariane Bresch und Gueli Kim
Die Lübecker Künstlerin Julie Weißbach: „Corona hat mich angestachelt, neue Wege zu gehen“
Kreismuseen in Ratzeburg werden künftig von Dr. Anke Mührenberg geleitet
Mein Lesetipp

Bad Oldesloe: Alleinerziehende Mutter wartete Monate auf Kita-Bescheid
Blick in die überregionalen Nachrichten

V-Day in Großbritannien: 90-Jährige erhält als Erste den Biontech-Impfstoff
Berliner Boxerin Zeina Nassar über ihren Kampf gegen Vorurteile und ihr neues Buch "Dreeam Big"
Gewalt in Beziehungen: Wenn Frauen bleiben, obwohl der Partner zuschlägt
Periodenarmut: Petition fordert kostenlose Tampons und Binden in Deutschland
Twitter-Diskussion der Woche

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist weiterhin hoch. Immer mehr Menschen sterben an der Krankheit. Mit einem eindringlichen Appell hat sich Kanzlerin Angela Merkel in dieser Woche im Bundestag für schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ausgesprochen. Die Twitter-Community war beeindruckt von der Emotionalität, mit der Merkel ihre Kollegen beinahe angefleht hat, schnell zu handeln.
anne wizorek 💁🏼‍♀️🌈
angela merkels nachdrücklicher appell ist auch einfach nur ein weiteres resultat einer frau, die sich vorher immer wieder ruhig und mit bedacht den mund fusselig geredet hat wie wichtig eine sache ist – aber am ende hat ihr halt kaum jemand zugehört.
Marius Mestermann
"Ich habe mich in der DDR zum Physikstudium entschieden, (...) weil ich ganz sicher war, dass man vieles außer Kraft setzen kann, aber die Schwerkraft nicht, die Lichtgeschwindigkeit nicht und andere Fakten nicht (...)."

#Merkel nach AfD-Zwischenrufen in der #Generaldebatte
Hendrik Wieduwilt
Merkels Stimme hat sich grad überschlagen. Das habe ich noch nie gehört.
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.