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Humor-K.O. und #linkemetoo

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was darf Humor? Darf er sich gegen Schwächere richten? Dürfen Witze auf Kosten von Menschen gehen? Ich würde die letzten beiden Fragen für mich deutlich mit “Nein” beantworten: Natürlich darf man provozieren, Grenzen ausloten, die Gesellschaft, wie sie ist, in Frage stellen oder so bitterböse sein, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Aber sich auf Kosten von Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren oder schon einmal K.o.-Tropfen im Club ins Getränk geschüttet bekommen haben, ist ein Schlag ins Gesicht der Frauen, die das erleben mussten. Besonders, wenn der Witz dann auch noch von einer anderen Frau kommt - in diesem Fall von Youtuberin Joyce Ilg, gepostet auf Instagram. Gegenwehr auf Twitter gab es prompt - einen Auszug lesen Sie in der Twitter-Diskussion der Woche weiter unten in diesem Newsletter. Ich finde, dass sich Joyce Ilg mit diesem unnötigen Witz ziemlich sauber selbst K.O. geschlagen hat.
Sexualisierte Gewalt ist aktuell auch ein drängendes Thema in der Linkspartei: In der hessischen Linken soll es jahrelang zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.  Die Bundesvorsitzende und ehemalige hessische Landespolitikerin Janine Wissler stand im Fokus der Berichterstattung, da einer der Beschuldigten ihr Ex-Partner ist und sie angeblich von Vorfällen gewusst haben soll. Sie wandte sich jedoch entschieden dagegen, dass „mir unterstellt wird, ich hätte irgendjemanden geschützt“. Wissler und ihre Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow haben vor wenigen Tagen die Reißleine gezogen und sind als Bundesvorsitzende der Linken zurückgetreten, eine neue Parteispitze wird im Juni gewählt. Es scheint also zu stimmen, was die neue Familienministerin Lisa Paus (Grüne) über Sexismus und Machtmissbrauch sagt: “Das geht quer durch alle Parteien”. Zusammen mit der Kritik, mit der die Linke derzeit wegen ihrer Russlandpolitik konfrontiert ist und den schlechten Ergebnissen der vergangenen Wahlen, sei es im Bund oder auf Landesebene, steckt die Linke also tief in der Krise.
Ich wünsche Ihnen ein friedliches Wochenende!
Ihre
Interview der Woche

Mit verschüttetem Kaffee begann Daniela Prieß‘ Geschäftsidee: Die Segebergerin ist Gründerin von “Capvarii”, einer Firma für nachhaltige Trinkaufsätze, mit denen kein wertvolles Koffein mehr verschüttet wird. Im Interview spricht über den Zwiespalt zwischen Familie und Firmengründung und warum man Scheitern immer einkalkulieren sollte, wenn man sich in die Selbstständigkeit wagt.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Eigentlich hatte ich nie den konkreten Plan, eine Firma zu gründen. Aber da war diese Idee: Ich wollte einen nachhaltigen Trinkaufsatz, mit dem Konservengläser zu To-Go-Bechern werden. Ein wenig Vorwissen hatte ich: Als Wirtschaftsfachwirtin war ich zum Beispiel in der Lage, einen Businessplan zu erstellen. Ich musste während der Gründung aber auch viel dazulernen: Eine Firma aufzubauen, bedeutet einfach viel harte Arbeit. Letztendlich war ich aber mutig genug, habe sehr viel gearbeitet und mir während der Übergangszeit zwischen festem Job und Selbstständigkeit nochmal einen Nebenjob gesucht, um weitere notwendige Investitionen realisieren zu können. Mit Fleiß und Anpackermentalität hat es schließlich geklappt. Ich bin bisher sehr zufrieden damit, wie sich Capvarii entwickelt.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Genau weiß ich das nicht mehr. Aber ich habe bisher fast immer in männerdominierten Unternehmen, kaufmännisch gearbeitet: In Bau- und Handwerksunternehmen oder auch aus Interesse in der Security. Ich habe gelernt, mich zu behaupten und widerstandsfähig zu sein.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Der Spruch “Du hast es dir doch selbst ausgesucht” trifft mich inzwischen echt hart. Der kommt gern von Leuten, wenn man darüber spricht, wie schwierig es ist, Firma und Familie unter einen Hut zu bringen. Ich war immer Vollblutmama, war im Elternbeirat und habe bei jedem Schul-Weihnachtsmarkt mitgeholfen. Jetzt sind die Kinder 13 und 17 Jahre alt, sodass ich nochmal einen Schritt für mich wagen wollte. Aber auch da gibt es Tiefpunkte, und die darf man auch benennen. Und auch wenn die Kinder jetzt etwas älter sind, brauchen sie ihre Mama trotzdem.
Vor welchen Herausforderungen stehen Gründerinnen heutzutage immer noch?
Wenn man eine Firma gründen möchte, ist es einfach schwerer, für andere, also für Freunde und Familie, präsent zu sein. Das bekommt man schon zu spüren. Und man wird in finanziellen und technischen Fragen manchmal nicht für voll genommen.
Was sollte getan werden, damit Frauen in der Start-Up-Szene präsenter werden?
Ich finde, es muss ein gesamtgesellschaftliches Umdenken stattfinden. Es spielt für unsere Kompetenz keine Rolle, ob man ein Mann oder eine Frau ist.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Seid selbstbewusst und erinnert euch immer wieder daran, dass wir gleichwertig sind. Lasst euch nicht von Sexismus und Mansplaining verunsichern. Traut euch, zu fragen, wenn ihr etwas nicht wisst - ich bin mit Fragen richtig weit gekommen. Man muss eben erkennen, wann man Hilfe braucht und sie dann auch annehmen. Das müssen auch Männer! Bei einer Firmengründung sollte man auch ein Scheitern einkalkulieren. Es sind in den vergangenen zwei Jahren so viele Dinge passiert, die niemand vorhersehen könnte - Corona oder der Krieg in der Ukraine.
Wer ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Es sind weniger konkrete Personen, sondern eher Charaktereigenschaften, die ich schätze. Dazu gehört lösungsorientiertes Denken - und einfach anpacken können, gepaart mit Herzlichkeit.
Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft?
Ich wünsche mir natürlich, dass es meinen Liebsten gut geht. Außerdem wünsche ich mir Frieden und eine stabile Wirtschaftslage, denn die ist ja im Moment ziemlich katastrophal. Seid nett zueinander!
Capvarii: Segeberger Gründerin macht aus alten Gläsern To-go-Becher
#LinkeMeToo

Linke in Hessen: Jahrelang sexuelle Übergriffe?
Die Linke: Sexismus-Skandal - Ende Juni wird Parteispitze neu gewählt
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Der Buch-Tipp

Marlene Hellene schreibt über 40 Wochen, die in höchstem Maße aufgeladen sind mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und Erwartungen: die Schwangerschaft. Kaum jemand spricht darüber, aber dennoch sind sie real: die Zweifel, die körperliche Anstrengung, die Wut, wenn der eigene Körper über Nacht zum Allgemeingut erklärt wird. Viele Schwangere erleben Übergriffigkeiten und Erwartungsdruck, und sie müssen sich ihre Selbstbestimmtheit dann wieder hart erkämpfen – ein über Plädoyer für ein neues Bauchgefühl.
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 192 Seiten, 13 Euro
Twitter-Diskussion der Woche

Wie weit darf Humor gehen? Die Youtuberin Joyce Ilg hat ein Selfie von sich und Luke Mockridge, gegen den es massive Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt gab, auf Instagram gepostet. Darunter die Bildunterschrift: “Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.O. Tropfen (sic!) bekommen. 🐰🥚 Frohe Ostern! #Partnerlook ❤️ #FreedomOfHumour 💫”
Allein dieser Gag brachte ihr einen Shitstorm auf Twitter ein. Die Erklärung, die sie darauf folgen ließ, machte alles noch schlimmer: Der Witz sollte nicht auf Kosten von K.o.-Tropfen-Opfern sein, sondern eine Anspielung darauf, dass Luke diesen K.o.-Tropfen-Gag in einem früheren Programm hatte und ihm das als “Beweis von Schuld” bezüglich der Vorwürfe sexualisierter Gewalt ausgelegt wurde.
Quattromilf
CN Vergewaltigung: Meine Freundin wurde unter K.O. Tropfen vergewaltigt und schwanger. Man hat ihr davon abgeraten das behinderte Kind zu bekommen. Sie kümmert sich aufopferungsvoll und ist eine liebevolle Mama. Mit solchen Gags spuckt man Frauen wie meiner Freundin ins Gesicht.
Lena blauer Haken
reminder dass luke mockridge keinerlei konsequenzen erfahren hat und seine freund*innen sogar in der öffentlichkeit getrost witze über k.o. tropfen machen weil wir in einer gesellschaft leben in der die opfer egal sind
Sarah Bosetti
Wenn das der Weg zum Ruhm ist, will ich nicht berühmt sein.

#FaisalKawusi #JoyceIlg #LukeMockridge
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