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Iska Jessen: "Müssen noch lauter werden"

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
auch wenn man es längst nicht mehr hören kann und die meisten wohl einfach hoffen, dass die Impfkampagne der Pandemie ein baldiges Ende setzt: Die Gefahr durch das Coronavirus ist weiterhin real, auch in Deutschland. An vorderster Front kämpfen Frauen als Ärztinnen und Krankenschwestern auf den Intensivstationen um das Leben derer, die besonders schwer erkranken. Maria Deja, die Leiterin der Operativen Intensivmedizin am UKSH Lübeck, hat mit meinem Kollegen Hanno Kabel über die schwierigen Entscheidungen gesprochen, die sie in einem Jahr Pandemie treffen musste.
Iska Jessen weiß als Sprecherin des Stadtschüler*innenparlamentes, was den Jugendlichen in diesem permanenten Ausnahmezustand fehlt. Im Interview der Woche erzählt sie, warum sie nicht Berufspolitikerin werden möchte, obwohl sie mit großer Begeisterung politisch aktiv ist.
“Schreib’ mir, wenn du zu Hause bist”: Mit diesem Satz ist wohl jede von uns schon einmal von der besten Freundin verabschiedet worden, bevor sie sich durch das Dunkel der Nacht auf den Heimweg machte - in der Hand den Schlüsselbund, um sich wehren zu können, falls man unterwegs angegriffen wird. Sarah Everard hat es nicht nach Hause geschafft: Die Britin wurde auf ihrem Heimweg brutal ermordet, mutmaßlich von einem Polizisten. In dieser Woche sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren. Warum es jetzt vor allem an den Männern ist, dafür zu sorgen, dass sich Frauen sicherer fühlen, wenn sie nachts unterwegs sind, lesen Sie weiter unten in der Twitter-Diskussion.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Ihre
PS.: In dieser Ausgabe gibt es noch einmal Gastronomie-Gutscheine im Wert von jeweils 25 Euro zu gewinnen. Details gibt es am Ende des Newsletters, zur Anmeldung geht es mit diesem Link. Viel Glück!
Interview der Woche

Iska Jessen ist 18 Jahre alt, besucht die Geschwister-Prenski-Schule und vertritt als Stadtschülersprecherin die Interessen der Lübecker Schülerschaft. Darüber, wie Jugendliche und junge Erwachsene die Corona-Pandemie erleben, sagt sie: Diese Zeit werde “eine sehr große emotionale Narbe hinterlassen”.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Ich bin Sprecherin des Stadtschüler*innenparlaments Lübeck (SSP). Wir vertreten die Interessen der SSP gegenüber der Stadt. Ich hatte immer schon zu allem eine Meinung und konnte nie ruhig sein, wenn es besser für mich gewesen wäre. Besonders gestört hat mich schon immer wenn ich das Gefühl hatte meine Mitmenschen würden ungerecht behandelt und habe mich dann immer für diese eingesetzt, durch den Charakterzug war ich immer schon prädestiniert für Diskussionsrunden und politische Gremien. Ich war schon ein Jahr als Vorstandsmitglied und davor ein Jahr als reguläres Mitglied beim SSP, bevor ich mich zur Sprecherin habe wählen lassen, denn ich wollte die Strukturen kennenlernen und mir Fachwissen aneignen, sodass ich die Schülerinnenschaft auch gut vertreten kann.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Ich glaube, das ist mir Gott sei Dank noch nie passiert.
Welche Herausforderungen sehen Sie für Frauen auf dem Weg nach oben?
Klischees, Klischees, Klischees. Wir werden einfach immer noch anders wahrgenommen. Werden wir emotional, sind wir hysterisch und überarbeitet. Wird ein Mann emotional, ist man erstaunt, wie stark er sich einsetzt und wie er mit Herz an der Sache hängt. Beharrt ein Mädchen auf ihrer Meinung, ist sie zickig und kann nicht zuhören. Beharrt ein Junge auf seine Meinung, lobt man seine Überzeugtheit und sein Durchhaltevermögen, in einer Diskussion standzuhalten gegen die Gegenargumente. So richtig offen sexistische Kommentare erlaubt sich so gut wie niemand mehr in unserer Generation. Hier läuft das anders ab – unterschwellig. Der Junge, der so klar vorgibt, wo es lang geht, ist sympathisch und eine tolle Führungskraft. Das Mädchen, das immer die Leitung in den Sitzungen übernimmt und diese strukturiert, ist zickig und „bossy“. Diese Doppelwahrnehmung hält kein Mädchen direkt davon ab, Karriere zu machen. Aber sie macht Mädchen in ihrem Verhalten unsicher und macht es schwerer, zu sich selber zu stehen.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können – weil sie voller Klischees sind?
„Wieso müssen wir Texte gendern, ist doch klar, das ihr mit gemeint seid!“
Was sollte getan werden, damit Frauen in der Politik noch präsenter sind?
Ich denke, das gesellschaftliche Bild und die politische Präsenz der Frauen hängen stark zusammen. Damit wir in der Politik noch akkurater präsentiert werden können, müssen wir auch in der Gesellschaft noch lauter werden - und untereinander noch mehr zusammenhalten!
Was würden sie Ihrer Generation mit auf den Weg geben?
Sexismus gegen Mädchen kann nur aufhören, wenn wir uns bewusster werden, dass es genauso Sexismus gegen Jungs gibt. Ich finde, wir sollten uns als ganze Generation gegen Vorurteile wehren und uns nicht in zwei Fronten aufspalten lassen, sondern Jungs und Männer darauf aufmerksam machen, was Feminismus wirklich bedeutet – dass es nämlich gar nicht gegen Männer geht, da es gar nicht UM Männer geht, sondern um Gleichberechtigung und Gleichwahrnehmung.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Ich war immer schon inspiriert von Frauen mit starkem Charakter wie Lady Diana.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Es macht mir viel Spaß, politisch aktiv zu sein, aber ich glaube nicht, dass das auch eine Berufsmöglichkeit für mich wäre. Ich war immer schon sehr in Kommunikation interessiert und könnte mir sehr gut vorstellen, Verhandlungsführerin zu werden. In naher Zukunft möchte ich erst einmal noch viele Projekte mit dem Stadtschüler*innenparlament realisieren und freue mich riesig über die effiziente, konsensorientierte Arbeitsatmosphäre, die dort herrscht und über die vielen gleichgesinnten Jugendlichen, die mich dort inspirieren. 
Iska Jessen, Stadtschülersprecherin
Iska Jessen, Stadtschülersprecherin
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Twitter-Diskussion der Woche

Die Britin Sarah Everard wollte nach einem Besuch bei ihrer Freundin nach Hause laufen - doch dort kam sie nie an. Die 33-Jährige wurde brutal ermordet, die Londoner Polizei hat einen Polizisten als Tatverdächtigen festgenommen. Unter dem Hashtag #ReclaimTheseStreets teilten viele Twitter-Nutzerinnen ihre Erfahrungen, wenn sie nachts allein unterwegs sind - und riefen Männer dazu auf, dafür zu sorgen, dass Frauen in solchen Momenten nicht um ihr Leben fürchten müssen.
Asha Hedayati
Es gibt etliche Ratgeber für Frauen, wie sie sich vor Übergriffen und sexualisierter Gewalt schützen sollen, aber kaum welche für Männer, die erklären, wann übergriffiges Verhalten beginnt, dass sie es unterlassen müssen oder bei anderen einschreiten sollten.
Isabelle
Werde nie verstehen, warum wir Frauen beibringen wie sich sich vor sexuellen Übergriffen schützen sollen, aber nicht Männern beibringen, dass sexuell übergriffiges Verhalten nicht in Ordnung ist.
Gazal Köpf
Von klein auf wird uns gesagt worauf wir achten müssen, damit wir nicht belästigt, vergewaltigt oder ermordert werden. Wenn es doch passiert, sind wir selber schuld. Der Rock zu kurz, das Haar zu lang. Wenn wir's beklagen, gibt's meist nur ein "not all men" #ReclaimTheseStreets
Zum Hintergrund:
London: Auf Heimweg verschwundene Sarah Everard – Polizist als mutmaßlicher Mörder festgenommen
Verschwinden von Sarah Everard in London: Aufschrei gegen Gewalt an Frauen in Großbritannien
Das „Heimwegtelefon“ am Ende der Leitung: „Wir versuchen, den Fokus weg von der Angst zu lenken“
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