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Rachel Behringer: "Der Weg nach oben ist kein Alleingang"

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Schicksal der 21-jährigen Melina aus Mölln geht unter die Haut: Si
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LN – Die Newsletterin
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das Schicksal der 21-jährigen Melina aus Mölln geht unter die Haut: Sie hat ihre Großmutter durch das Coronavirus verloren. Auch ihr Vater und sie steckten sich an. Über einen Monat später reicht die Energie für genau einen Spaziergang in der Woche, mehr wäre zu anstrengend. Die Geschichte der jungen Frau, die sich nach diesen Schicksalsschlägen jetzt zurück ins Leben kämpft, ist meine Leseempfehlung - und eine Motivation, auch nach fast einem Jahr Ausnahmezustand durchzuhalten.
Besonders hart hat die Krise die Kultur getroffen. “Wir versuchen, die Arbeit zu konservieren, ich habe mir alles ganz genau in mein Textbuch geschrieben, damit ich bis zur Premiere nichts vergesse, mein Kalender ist voller durchgestrichener Vorstellungs-Termine”, schrieb Rachel Behringer, Ensemblemitglied am Theater Lübeck, über ihr Dasein als Schauspielerin ohne Bühne. Im Interview erzählt sie, von wem sie ihr Schauspieltalent geerbt hat und warum der “Weg nach oben” für Frauen kein Alleingang ist.
Die “Newsletterin” feiert - natürlich corona-konform im Homeoffice - ihr erstes kleines Jubiläum. Sie lesen gerade die zehnte Ausgabe. Vielen Dank an dieser Stelle an alle treuen Leserinnen und Leser und ein herzliches Willkommen an alle, die in den letzten Tagen neu dazugekommen sind. Welche Frau sollte demnächst mit einem Interview vorgestellt werden? Haben Sie Verbesserungsvorschläge oder Lob? Schreiben Sie mir gern eine Nachricht.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,
Ihre

Interview der Woche

Die Schauspielerei brachte sie aus Freiburg über Umwege über München und Hannover an die Küste: Rachel Behringer, Jahrgang 1989, gehört seit der Spielzeit 2016/17 fest zum Ensemble des Theater Lübeck. Wenn das Haus seine Türen wieder für Publikum öffnen darf, wird sie in “Der Untertan” und in “Momo” zu sehen sein.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Für mich war schon sehr früh klar, dass ich Schauspielerin werden möchte. Nach meinem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, habe ich Bewerbungen an fast alle Theater in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschrieben. Ich habe in diesem Zuge auch geschaut, wo ich bereits Kontakte zu Häusern habe und wo mich jemand empfehlen könnte.
Der Kontakt nach Lübeck entstand dann über Crescentia Dünßer, die zu diesem Zeitpunkt gerade am Haus inszenierte und die ich aus der Jury der Studienstiftung des deutschen Volkes kannte. Sie hat meine Bewerbung mit einer Empfehlung in Lübeck eingereicht und daraufhin wurde ich zum Vorsprechen eingeladen, das für mich glücklicherweise sehr gut lief. Seit über vier Jahren freue ich mich nun schon darüber, fest am Theater Lübeck engagiert zu sein.  
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Ich bin tatsächlich in der aktuellen Produktion „Der Untertan“ von Heinrich Mann, für mich zum ersten Mal, die einzige Frau neben sechs Männern, zumindest was die Seite der Schauspielerei angeht. Denn unser gesamtes Team besteht aus vielen Frauen: da ist die Regisseurin Mirja Biel, unsere Kostümbildnerin, die Dramaturgin, die Souffleuse, die Inspizientin, die Regie-Assistentin - ich komme mir also keinesfalls alleine vor, weil ich inmitten von Männern umringt von Frauen bin. Und ich muss sagen, dass ich in meiner Zeit am Theater Lübeck mit sehr viel mehr Frauen, als mit Männern gearbeitet habe. Ich finde, dass Lübeck hier wirklich gut aufgestellt ist.
Welche Herausforderungen sehen Sie heute immer noch für Frauen auf dem Weg nach oben?
Ich fände schön, wenn es nicht immer den Alleingang von Frauen auf dem Weg nach oben impliziert, sondern auch ein gemeinsamer Weg ist. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir uns als Frauen und Männer ergänzen und unterstützen, Unterschiedlichkeiten akzeptieren, uns den Raum gegenseitig zugestehen und uns nicht bekämpfen. Es braucht sowohl Männer, die den Weg für Frauen frei machen, als auch Frauen, die voller Selbstvertrauen und ohne Angst ihren Weg gehen, aber immer in gegenseitigem Respekt, voller Achtung vor dem, was wir jeweils können und im Vertrauen in die Kompetenz des anderen. 
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Da habe ich zum Glück bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich erlebe in Lübeck einen sehr respektvollen Umgang zwischen Frauen und Männern.
Was sollte getan werden, damit Frauen auf und hinter der Bühne deutscher Theater noch präsenter sind?
Hier braucht es natürlich vertrauenswürdige Frauen und Männer, die nach Kompetenz einstellen. Und es braucht Spielpläne mit Stücken, in denen Frauen, wie auch Männer zentrale Positionen spielen können. Ich finde aber die Haltung „Jetzt sind wir mal dran“ auch verkehrt, denn sie führt wieder zu verhärteten Fronten. Ich wünsche mir vielmehr, dass es sich einfach die Waage hält. Auch da erlebe ich Lübeck als sehr vorbildlich. 
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?
Es ist so schön, wenn Frauen sich ihres Werts bewusst sind und für das einstehen, woran sie glauben.
Da braucht es Selbstvertrauen, Mut und für mich vor allem den tiefen Glauben daran, dass wir vor Gott alle gleich sind. Dass er meinen Wert in mich hineingelegt hat, dass er mich liebt, ganz unabhängig davon, was ich leiste und dass ich auch Fehler machen darf, mein Wert bleibt trotzdem der gleiche. Dann muss ich mich auch gar nicht vergleichen, sondern darf einfach darauf vertrauen, dass ich gesehen werde und dass mein individueller Weg der richtige für mich ist und dass nur ich ihn gehen kann. 
Ich glaube, dass es ein dankbares Herz braucht, einen guten Optimismus, Nächstenliebe und dass man sich eine kindliche Neugier und Offenheit bewahrt. Und ich denke, es braucht die Eigenschaft, sich über Kritik freuen zu können, und die Lust, an sich zu arbeiten, denn nur so findet Entwicklung und Wachstum statt.
Welche Frau war Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Da sind ganz viele Frauen, die mich immer wieder inspirieren und ermutigen. Das sind Künstlerinnen, Kolleginnen, Freundinnen, meine Schwester oder meine Omitante, die uns früher „Pippi Langstrumpf“ und „Der kleine Wassermann“ vorgelesen hat. 
Und da ist meine Mama, die mich und meine Zwillingsschwester alleine großgezogen hat, die alles gegeben hat, damit wir es gut haben und der ich es zu einem großen Teil zu verdanken habe, dass ich heute die bin, die ich bin.
Sie ist für mich eine absolute Heldin, ein Vorbild und ein Inspiration, in der Art und Weise wie sie ihren Weg gegangen ist und wie sie für uns gekämpft hat. Von ihr habe ich auch mein Schauspieltalent geerbt. 
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Für den Moment bin ich vor allem dankbar für meine Festanstellung und weil man in diesen Zeiten schwer planen kann, versuche ich wirklich jeden Tag nach dem anderen zu leben und mich an den Dingen zu freuen, die möglich sind. 
Solange wir im Theater nicht spielen und proben dürfen, unterstütze ich meine Schwester mit ihren sechs Kindern in der Homeschool und freue mich, wenn ich abends „Die Chroniken von Narnia“ vorlesen darf. Sinnvoller könnte ich meine Zeit gerade sicherlich nicht investieren. 
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich voller Hoffnung und Zuversicht an allen Herausforderungen wachsen darf, die mich erwarten und dass ich Menschen ermutigen darf mit dem, was ich sage und wie ich lebe.
Schauspielerin Rachel Behringer
Schauspielerin Rachel Behringer
Die Frauen der Woche

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Twitter-Diskussion der Woche

Ob seine Einstellungen zu Gleichberechtigung Friedrich Merz am Ende um den CDU-Vorsitz gebracht haben? Die Twitter-Gemeinde hat die Wahl des neuen Parteichefs gebannt mitverfolgt. So viel war schon vorher klar: Es wird ein Mann zwischen 55 und 65 aus Nordrhein-Westfalen. In seiner Bewerbungsrede hat Merz dann versucht, den Vorwurf zu widerlegen, er hätte ein altmodisches Frauenbild - und ist damit krachend gescheitert. So sahen es zumindest viele Twitter-Nutzer.
Boris N. Moellers
Es ist dieser Satz, der von #Merz bleiben wird, ein Satz für die Ewigkeit:

„Auch diejenigen, die sozial schwach sind, finden gerade bei uns ein Herz und Zuwendung - lassen Sie mich in diesem Zusammenhang ein Wort zu den Frauen sagen.“

#cdupt21
Johannes Jordan
Sie sind also Feministin? Wie viele Frauen und Töchter haben Sie denn? #cdupt21 https://t.co/TBVbvp4ox1
Jana Hensel
Friedrich Merz hat eine Frau geheiratet. Mehr Feminismus wird mit ihm nicht zu machen sein.
Heribert Hirte
. @_FriedrichMerz sieht Frauen vor allem als Mütter und Töchter. Hätte ich dies gesagt, würde meine Tochter gegen mich kandidieren... #Frauenbild #cdubpt21 #CDUVorsitz
𝕾𝖔𝖕𝖍𝖎𝖊 𝖕𝖆𝖘𝖘𝖒𝖆𝖓𝖓
Merz kann kein Sexist sein, weil er hat Frau und Töchter, ich kann handwerklich nicht ungeschickt sein, denn in meinem Bad sind Fliesen verlegt
teresa bücker
Vielleicht könnte @_FriedrichMerz ja Gleichstellungsbeauftragter der @CDU werden. Ich hab gehört, da kennt er sich aus. #wegenmorgen
Zum Schluss: Mein Lesetipp

Melina (21) verliert ihre Oma und erkrankt selbst an Corona
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