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Sexualisierte Gewalt: "Wenn Männer Teil des Problems sind, sind sie auch Teil der Lösung."

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
am “Orange Day”, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, standen am Dienstag vor dem Holstentor 588 Schuhe - stellvertretend für die 588 Fälle häuslicher Gewalt an Frauen, die es 2019 in Lübeck gab. Fünf Lübecker Medizinstudentinnen sensibilisieren mit ihrer Themenwoche “Ich guck’ nicht weg!” für das Thema. Im Interview erzählen sie, welche Rolle Ärztinnen im Kampf gegen sexualisierte Gewalt spielen, wieso Männer und Frauen das Problem gemeinsam lösen müssen - und ob sie zuversichtlich sind, dass sich etwas zum Positiven ändert. Zur Anmeldung für die kommenden Veranstaltungen geht es hier.
Auf eine positive Wendung hoffen wir alle auch in der Corona-Pandemie. Derzeit kursieren viele Verschwörungsinformationen und Falschinformationen im Netz. Wie reagiert man, wenn Verwandte oder Freunde plötzlich solche Informationen in den sozialen Medien teilen? Wie können wir trotzdem ein konstruktives Gespräch führen? Tricks für solche Diskussionen sind gefragter denn je. Anja Schmalowski vom Kreisjugendring Stormarn hilft Jugendlichen dabei, Fake News zu entlarven. Meine Kollegin Dorothea von Dahlen hat mit ihr über das Projekt gesprochen.
Pünktlich zum ersten Adventswochende gibt es noch eine weihnachtliche Newsletter-Empfehlung: Sie wollen trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr besonders entspannt durch die Adventszeit kommen? Dann haben wir das Richtige für Sie! In unserem Newsletter „24“ schicken wir Ihnen täglich leckere Rezepte, kreative Bastel-und Deko-Ideen, Serien-Empfehlungen und vieles mehr in Ihr Postfach. Kostenlos – vom 1. bis 24. Dezember! Melden Sie sich jetzt an unter http://adventsletter.ln-online.de/ und kommen Sie entspannt und gut informiert durch den Advent. 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende - Bleiben Sie gesund!
Ihre Sophie Schade

PS: Das ist jetzt schon die siebte Ausgabe dieses Newsletters - haben Sie Feedback, Anregungen oder eine Geschichte, die hier erzählt werden sollte? Schreiben Sie mir gern an sophie.schade@ln-luebeck.de.

Interview der Woche

Laut Bundeskriminalamt erleidet jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand genau, weil viele Frauen sich oft niemandem oder erst sehr spät jemandem anvertrauen, wenn ihnen so etwas widerfahren ist. Die Lübecker Studentinnen Greta Mostert, Maren Festersen, Frederike Römer, Olga van Wees und Lena Döling klären in ihrer Aktion “Ich guck’ nicht weg” mit Online-Vorträgen und -Workshops über das Thema auf.
Wie habt ihr als Gruppe zusammengefunden?
Wir studieren alle an der Uni Lübeck Medizin. Das Thema sexualisierte Gewalt beschäftigt viele unserer Kommilitoninnen, weil wir als Ärztinnen später ja auch eine gewisse soziale Verantwortung haben, etwas gegen dieses Problem zu tun. Wir haben aber auch gemerkt, dass das auch viele junge Frauen außerhalb der Medizin umtreibt. Mit dem Thema haben wir uns dann an den Verein “VICTOR Lübeck” gewendet, der uns Studierenden immer dabei hilft, solche Aktionen auf die Beine zu stellen.
Eure Themenwoche heißt: “Ich guck’ nicht weg”. Wird noch zu oft weggeguckt, wenn es um sexualisierte Gewalt geht?
Ja! Sexualisierte Gewalt ist oft noch ein Tabuthema, sodass Opfer sich oft schämen für das, was passiert ist und die Schuld zuerst bei sich suchen. Manche Frauen brauchen bis zu sechs Anläufe, sich jemandem anzuvertrauen, wenn ihnen Gewalt widerfahren ist. Die fehlende Sensibilität führt auch dazu, dass Anzeichen sexualisierter Gewalt oft zu spät erkannt werden.
Ist sexualisierte Gewalt ein Thema in eurem Medizinstudium?
Wir lernen am Fachgebiet Rechtsmedizin alles zum Umgang mit Patientinnen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Das war im Studium tatsächlich auch neu für uns, dass die Rechtsmediziner die Ansprechpartner für dieses Thema sind.
Was können Medizinerinnen dazu beitragen, Vorfälle sexualisierter Gewalt aufzuklären oder sogar zu verhindern?
In ihren Praxen können Ärztinnen eine Vertrauensbasis für ihre Patientinnen schaffen, indem sie schon im Wartezimmer Plakate aufhängen und Flyer auslegen, die auf Hilfsangebote hinweisen. Außerdem sollten gerade Hausärztinnen sensibel für Anzeichen von häuslicher Gewalt und Missbrauch sein, weil die Täter häufig aus dem direkten Umfeld der Opfer kommen. Bei Risikofaktoren wie früheren Gewalterfahrungen oder Drogenmissbrauch gilt es, besonders aufmerksam zu sein. In Schleswig-Holstein gibt es außerdem das KIK, das Kooperations- und Interventionskonzept bei häuslicher Gewalt. Das sichert die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und Einrichtungen, die mit häuslicher Gewalt befasst sind. Die arbeiten zum Beispiel daran, dass es in Krankenhäusern ein standardisiertes Verfahren gibt, mit dem bei Opfern einer Vergewaltigung Spuren gesichert werden.
Welche Rolle spielen Männer im Kampf gegen sexualisierte Gewalt?
Vielen Männern ist gar nicht bewusst, wenn sie eine Grenze überschreiten. Wenn wir aber nicht über dieses Problem sprechen, ändert sich daran auch nichts. Es hilft nicht, sich nur übereinander aufzuregen. Wichtig ist, miteinander eine Strategie gegen sexualisierte Gewalt zu finden. Wenn Männer Teil des Problems sind, sind sie auch Teil der Lösung. Und es hat sicherlich auch etwas mit der Sozialisierung vieler Männer zu tun. 90 Prozent der Gewalt, die sie erleben, geht von anderen Männer aus. Eine Erziehung hin zu mehr Empathie könnte helfen.
Was kann die Stadt Lübeck tun?
Es gibt schon viele gute Hilfsangebote, die von hoch motivierten Mitarbeiterinnen betreut werden. Allerdings sind viele dieser Angebote chronisch unterfinanziert, zum Beispiel der Frauennotruf. Für eine langfristige Prävention müsste man schon bei jungen Menschen ansetzen und sie für das Problem sensibilisieren. Aber das Ziel, dass sich etwas zum Positiven verändert, ist auf jeden Fall realistisch.

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Twitter-Diskussion der Woche

Frauen muss man in den Vorständen großer Unternehmen bislang mit der Lupe suchen. Eine Quotenregelung, die das ändern soll, wurde bislang als schädlich für die Wirtschaft abgetan. Jetzt hat sich die Große Koalition geeinigt: Hat der Vorstand eines börsennotierten Unternehmens mehr als drei Mitglieder, muss mindestens eines von ihnen eine Frau sein. Kritik an der Entscheidung zum Beispiel aus der Wirtschaftsunion folgte prompt - und kassiert wiederum umgehend Konter auf Twitter:
Carolina Schwarz
Das Argument "Ich will aufgrund meiner Leistung und nicht wegen der Quote eingestellt werden" amüsiert mich immer wieder. Stellen die Leute sich die Quote so vor, dass random Frauen auf der Straße Führungspositionen angeboten werden?
Katharina Nocun
Männer die meinen, jeder Job & jede Beförderung würden ausschließlich nach objektiven & gerechten Kriterien vergeben werden. So naiv wäre ich auch gerne noch einmal in meinem Leben. 😪 #Frauenquote
MadElena
Zum Thema "Ich will keine Frauenquote, sondern es alleine aufgrund von Leistung schaffen". Klingt erstmal gut, aber tut so, als wenn es die letzten Jahrzehnte keine ambitionierten, fähigen Frauen gab. Ganz vielleicht hat der Mangel an Frauen oben doch was mit dem System zu tun?
Alle Hintergründe zur Debatte finden Sie hier:
Frauenquote in Vorständen: Große Koalition einigt sich - "Historischer Durchbruch"
Zum Schluss: Unsere "Lichtblicke" zur Corona-Zeit

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