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Strafbare Shorts und Quoten am Filmset

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Bundestagswahl rückt näher, für die Kandidatinnen beginnt jetzt die heiße Phase des Wahlkampfs. Eine, die sich darum keine Gedanken mehr machen muss, ist Gabriele Hiller-Ohm: Die Sozialdemokratin aus Lübeck kandidiert nicht noch einmal und verabschiedet sich nach 19 Jahren aus dem Hohen Haus. Mein Kollege Kai Dordowsky hat mit ihr Bilanz gezogen.
Wer Lust auf Drama hat, kann die Zeit bis zur Bundestagswahl vielleicht mit einem Politthriller im Kino überwinden. Aber was hat sich in der Film- und Medienlandschaft eigentlich seit dem #metoo-Skandal rund um Harvey Weinstein und Kevin Spacey getan? Jana Kreissl, Mitgründerin der Lübecker/Münchner Filmproduktionsfirma Silva Film spricht im Interview über Frauen vor und hinter der Kamera, Diversität in der Filmförderung und den feministischen Blick im Kino.
Während Olympia vor der Tür steht, gibt es aus den Randsportarten Nachrichten, die zeigen, wie weit auch im Sport der Weg zur Gleichberechtigung noch ist: Die norwegischen Beachhandballerinnen mussten während der Europameisterschaften eine Strafe zahlen, weil sie es gewagt hatten, bei einem Spiel Shorts statt Bikinihöschen zu tragen. Inwiefern das ihre sportliche Leistung beeinflusst haben soll, kann ich mir jedenfalls nicht erklären - wie der Fall auf Twitter diskutiert wird, lesen Sie weiter unten im Newsletter. Wie denken Sie über das Thema Gleichberechtigung im Sport? Schreiben Sie mir dazu gern eine E-Mail: sophie.schade@ostsee-info.de.
Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende!
Ihre
Interview der Woche

Filmproduzentin Jana Kreissl (Foto: hfr)
Filmproduzentin Jana Kreissl (Foto: hfr)
Jana Kreissl ist Filmproduzentin, wurde 1988 in München geboren. Nach zahlreichen Praktika im Bereich Film und Medien absolvierte sie ihr Theater-, Film- und Medienwissenschafts-Studium in Wien. Seit 2020 leitet sie gemeinsam mit Tobias Gaede die Produktionsfirma “Silva Film” mit Sitz in Lübeck und München. Ein Gespräch über Frauen vor und hinter der Kamera, Diversität in der Filmförderung und den feministischen Blick im Kino.
Wie sind Sie in die Position gekommen, in der Sie heute sind?
Es gab kein bahnbrechendes Ereignis, das mich auf den Weg der Produzentin führte. Ich war da eher sehr zielgerichtet. Meine Eltern arbeiteten beide beim Fernsehen. Erste Berührungen hatte ich mit der Medienlandschaft also sehr früh. Ich liebte es, in Geschichten einzutauchen und setzte mir in den Kopf – ich will zum Film. Wie glücklich mich dieser Job macht, neben all den Anstrengungen, die dieser Beruf mit sich bringt, darf ich jeden Tag erfahren. Ich glaube, das ist schon ein großes Privileg - mich nicht jeden Tag an den Schreibtisch kämpfen zu müssen. Es ist so ziemlich der vielseitigste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Dadurch, dass wir eine sehr kleine Firma sind, sind wir natürlich sehr viel näher an unseren Projekten. Das macht es jeden Tag aufs Neue spannend.
Wann waren Sie zuletzt die einzige Frau in der Runde?
Die Einzige - das ist tatsächlich eine Weile her. Was aber auch darin liegen mag, dass ich mir mein Arbeitsumfeld selbst gestalten darf. Wir achten bei unseren Projekten ganz bewusst auf eine ausgeglichene Besetzung. Sowohl vor als auch hinter der Kamera. Tobias und mein Vorhaben war es von Beginn an, mindestens eine 50/50 Quote zu erreichen. Nun ist es tatsächlich so, dass wir mit mehr Regisseurinnen arbeiten als mit Regisseuren. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung, die wir gar nicht erzwingen mussten. Bei Branchenveranstaltungen ist es etwas anderes. Da überwiegt noch ganz klar der männliche Anteil.
Vor welchen Herausforderungen stehen die Frauen im Filmgeschäft?
Frauen vor der Kamera werden oft noch nach Stereotypen besetzt. Ich würde mir wünschen, dass Frauenrollen vielschichtiger inszeniert werden dürfen. Deswegen braucht es meiner Meinung nach auch einen festgeschriebenen Frauenanteil und genauso eine Festschreibung von Diversität in der Novellierung des Filmförderungsgesetzes. Sehgewohnheiten müssen erstmal gebrochen werden, um dann nachhaltig eine andere Richtung einschlagen zu können; um sich möglicherweise wieder von einer festgeschriebenen Quote lösen zu können. Einfach, weil der weibliche Blick sich dann im Kino verankern konnte und keine Ausnahme mehr darstellt.
Gibt es Sprüche, die Sie nicht mehr hören können, weil sie voller Klischees sind?
Es sind eher Blicke oder sagen wir Körpersprache ganz generell, die ich übergriffig finde.
Was sollte getan werden, um Frauen im Filmgeschäft präsenter zu machen?
Das Problem ist, dass wir mit patriarchalen Arbeitsweisen groß geworden sind. Wir kennen „nur“ den männlichen Blick im Kino. Wir sind es gewohnt, wie Männer produzieren, wie sie inszenieren, wie sie die Kamera führen… Nur indem wir dies aufbrechen und neue Gewohnheiten schaffen, wird sich etwas verändern. Sonst wird es immer eine Ausnahme bleiben. Wir brauchen in allen Positionen mehr Frauen, um eine feministische Bild- und Filmästhetik nicht mehr betonen zu müssen.
Was würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben? 
Hört auf eure Bedürfnisse und kommuniziert diese ganz klar nach außen. Ich glaube, mit Ehrlichkeit kommt man am weitesten. Dass sich junge Frauen verstecken, anpassen oder im Glauben gelassen werden, wenn sie sich unwohl fühlen, es liege an ihnen, etwas sei falsch mit ihnen, gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an.
Welche Frau ist Ihr Vorbild, Ihre Inspiration?
Da gibt es keine konkrete. Ich bewundere alle Frauen, die sich aus diesen patriarchalen Strukturen herauslösen. Die für sich und ihre Arbeit einstehen. Die eine klare Haltung formulieren und diese in die Welt schicken und damit ein neues Bewusstsein schaffen. Und davon gibt es zum Glück einige.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Weiter Filme machen dürfen und möglichst wenig Pläne haben. Beziehungsweise keine Angst haben, wenn diese Pläne mal nicht aufgehen. Filme machen ist so unvorhersehbar. Ich bin eigentlich ein sehr kontrollierter Mensch – aber ich habe gelernt, loszulassen und zu vertrauen. Und ohne einen Funken Naivität und ganz viel Kämpfernatur kommt man in diesem Job nicht weit.  
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Der Buchtipp

Die Bundesrepublik war lange eine Männerrepublik. Männer schrieben Geschichte. Männer besetzten Ämter. Männer gaben den Ton an. Und Frauen? Dieses Buch erzählt die politische Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus weiblichen Perspektiven. Lange Jahre waren Politikerinnen in der Bundesrepublik kaum sichtbar. Die erste Ministerin wurde 1961 berufen. Erst ein Sitzstreik von CDU-Frauen vor dem Kabinettssaal zwang Kanzler Konrad Adenauer dazu, Elisabeth Schwarzhaupt in sein viertes Kabinett aufzunehmen. Was ihn nicht daran hinderte, die Regierungsmitglieder weiterhin mit »Guten Morgen, meine Herren« zu begrüßen … Im Zentrum dieses Buchs stehen charismatische Frauen, deren politisches Wirken und private Schicksale Auskunft über bis heute unerzählte deutsche Geschichte geben. Protagonistinnen sind Politikerinnen aller Parteien, die sich während der Bonner Republik in der Männerbastion Bundestag durchsetzten. Ihre Lebenswege sind geprägt von politischen und privaten Dramen, denn für ihren Einsatz bezahlten sie mitunter einen hohen persönlichen Preis. Viele sprechen in diesem Buch das erste Mal darüber, wie die Politik ihr Leben veränderte, wie ihr permanenter Einsatz zu schmerzhaften Trennungen und Entfremdungen führte, wie Politik sie süchtig machte oder mit welchen Mitteln die Männer aller Parteien sie bekämpften. Entstanden ist eine spannende Chronik des Kampfs um politische Gleichberechtigung, der bis heute anhält.
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 368 Seite, gebundene Ausgabe 22 Euro, Taschenbuch 12 Euro
Die Twitter-Diskussion der Woche

Wenn die Olympischen Spiele vor der Tür stehen, kann ein Turnier wie die Beachhandball-Europameisterschaft durchaus in den Hintergrund rücken. Jetzt haben die Wettkämpfe aber für einen Aufreger gesorgt: Die norwegische Frauenmannschaft muss 150 Euro Strafe pro Spielerin bezahlen. Der Grund: Ihre Shorts waren etwas länger als die erlaubten zehn Zentimeter. Hot Pants statt Bikinihöschen. Rückendeckung gab’s vom norwegischen Handballverband - und auf Twitter.
Bundesverband der LIBERALEN FRAUEN
Im knappen Bikinihöschen spielen zu MÜSSEN, ist anmaßend, sexistisch und erniedrigend. Sportlerinnen müssen selbst entscheiden dürfen, welche Form der Sporthose sie tragen.
https://t.co/XSxPcQTb7p
Wildthin9 💉💉mit📜
@tagesschau Norwegerinnen sollten mit sehr viel Presserummel und TamTam eine Klage gegen den Verband anstreben und gleichzeitig medialen Druck wegen "erzwungenem Sexismus" auf Werbepartner und Sponsoren ausüben lassen. Denke die Vorwürfe möchte kein Unternehmen auf sich nehmen
Grim Reaper
@tagesschau Ob die Verantwortlichen auch halb nackt vor nem Millionenpublikum bisschen Sport machen würden ?
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